Seite:Album der Sächsischen Industrie Band 2.pdf/224

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Eine eigenthümliche Erscheinung zeigt sich bei den Jonsdorfer Sandsteinen: er ist von Basalt durchbrochen und dadurch völlig säulig abgesondert, welches in verschiedenen Theilen der Brüche, wo die Säulen schräg liegend die Wand durchsetzen, einen sehr interessanten Anblick gewährt. Diese Säulen sind gewöhnlich vier- oder fünfseitig, bisweilen auch sechsseitig, hin und wieder kommen auch Andeutungen von dreiseitigen Pyramiden vor, die Breite der Säulen steigt von zwei Zollen bis zu einer halben Elle und noch darüber, ihre Länge beträgt eine Elle bis fünf Ellen, nur selten steigt sie bis zu sechs oder sieben Ellen. Die Wände sind oft durch rothes Eisenoxyd (Rotheisenstein:) geröthet. Diese Färbung ertheilt den Sandsteinwänden an den Querschnitten der Säulen ein ader- oder netzförmiges Ansehen. Nicht selten ist auch an den Wänden der Säulen das Rotheisenerz krystallisirt, als Eisenglanz, welcher mit kleinen Bergkrystallen nesterweise zusammen liegt. – Rotheisensteinadern streichen überhaupt mehr oder minder stark durch die Wände der Brüche.

Einzelne Säulen enthalten Steinkerne und Abdrücke von Lima canalifera; seltener sind die Abdrücke von Ostro columba Lam. und Spongia saxonica Geinitz.

Ueber diese Umwandlung des Sandsteines sagt Geinitz: „Der Quadersandstein von Jonsdorf war seit geraumer Zeit von dem Meere abgesetzt worden und verhärtet, wiewohl er noch längere Zeit hindurch oder auch später wieder von neuem vom Meere bedeckt wurde. Schon hatten sich in der Nähe des jetzigen Zittau und in dem benachbarten Böhmen mächtige Braunkohlenlager und die sie begleitenden Gebirgsschichten gebildet. Da regte es sich endlich im Innern der Erde; es beginnt jene gewaltsame Katastrophe, welche mit heftigen convulsivischen Erschütterungen der Erdrinde angehoben und mit dem Empordringen der Basalte und Klingsteine geendet hat.

„Der Boden, auf welchem die Mühlsteinbrüche von Jonsdorf liegen, ward gehoben, und es gelang sogar dem Basalte an einzelnen Stellen den Sandstein selbst zu durchbrechen; das Meer verläuft sich in die benachbarten Thäler. Der feuerflüssige Basaltstrom aber, welcher den mit Meerwasser vollgesogenen Sandstein erhoben hat, wirkte auf den letztern nun durch seine Hitze verändernd ein. Das in dem Sandsteine eingeschlossene Wasser nahm Dampfform an, während die Salze des Meerwassers, welche nicht verdampfen können, mit dem ursprünglich kalkig-thonigen Bindemittel des Gesteins und einem Theil der vorhandenen Kieselerde ein leicht schmelzbares Glas entstehen ließen, welches durch das noch fortdauernde Entweichen von Dämpfen aufgebläht wurde. Hiervon rührt die an den Sandsteinen von Jonsdorf gerühmte Porosität.

Zur Umformung eines geschichteten Gesteines in Säulen ist eine Erweichung der ganzen Masse eine unerläßliche Bedingung. War das damalige Meerwasser wenigstens ähnlich zusammensetzt, wie das gegenwärtige, so enthielt es auch Kochsalz. Jedem, welchem die Lehren der Chemie nicht ganz unbekannt sind, erklärt sich nun auch das Vorkommen des Eisenglanzes in den höheren Partien dieses Sandsteingebildes durch eine Erhitzung von Kochsalz und zufällig vorhandenes Eisenoxyd, welches ja kaum einem geschichteten Sandsteine fehlt. Sehen wir doch den Eisenglanz, dieses schöne Mineral, durch Vermittelung des Kochsalzes sich auch in den Wänden der Hohöfen bilden, die überhaupt schon über so viele früher unerklärbare Entstehungsweisen von Gesteinen Aufschluß gegeben haben und noch weit mehr zu ertheilen versprechen.“

Die höchst interessanten Steinbrüche, welche das vorstehend geschilderte, zu den trefflichsten Mühlsteinen so taugliche Material liefern, befinden sich bei dem romantisch gelegenen, vielbesuchten Dorfe Jonsdorf, dicht an der böhmischen Gränze, zwei Stunden von Zittau, zwei Stunden von Zwickau in Böhmen, und eine Stunde von dem gewerbfleißigen, durch seine Damastweberei hochberühmten Dorfe Großschönau. Eine Stunde in östlicher Richtung liegt in einem Thalkessel[WS 1] eine Perle Sachsens, der jährlich von Tausenden von Fremden besuchte Oybin mit seinen Wundern der Natur und der Baukunst; Der Oybin ist zugleich die Pflanzstätte, von der aus Jonsdorf entstand, denn einst, als das Kloster der Cölestiner auf jenem einsamen Felsen noch blühte, gehörten diese Berge, Forsten und Thäler jenen Mönchen,

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Thalkessessel
Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 218. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/224&oldid=- (Version vom 11.5.2019)