Seite:Album der Sächsischen Industrie Band 2.pdf/225

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

welche hier einen Meierhof angelegt hatten, auf dem späterhin ein Schäfer, Namens Jonas, gewirthschaftet haben soll, von dem dann der 1539 gegründete Ort seinen Namen erhielt. Gegen Südost liegt das Dorf Hain am Fuß des 2351 Fuß hohen Hochwaldes, südlich – kaum fünfundzwanzig Minuten entfernt – das böhmische Dorf Schanzendorf, und weiter westlich das ebenfalls böhmische romantisch gelegene Lichtenwalde und endlich gegen Nordwest das fleißige Waltersdorf, über dem sich die 2421 Fuß hohe glockenförmige Lausche, der höchste Berg der Lausitz emporthürmt, jährlich der Wallfahrtsort von Tausenden, die sich hier an der köstlichen Aussicht erfreuen, denn die Lausitz, ein Theil der sächsischen Erblande, von Böhmen und Schlesien liegen hier vor den Augen des Beschauers wie ein blühender Garten.

So von reichen Naturschönheiten umgeben ist Jonsdorf selbst bei allen Freunden der Natur berühmt wegen seines hochromantischen, an einzelnen Partien schauerlich wilden Felsenlabyrinths, welches man als das „kleine Adersbach“ bezeichnet. Die groteskesten und zugleich merkwürdigsten Formen finden sich hier vertreten, vorzüglich an den mit den seltsamsten Felsenhörnern emporstarrenden Nonnenfelsen.

Einen kleinen Theil dieses Labyrinths bilden die Mühlsteinbrüche, die sich auf dem Blitzenberge befinden und die sogenannte weiße Wand umfassen. Sie beginnen bei dem merkwürdigen Felsengebilde der „drei Tische“ und der „Rabensteine“ und dehnen sich in einem Umfang von einer halben Stunde bis in die Nähe der interessanten „Orgelpfeifen“ aus.

Reichel, welcher die säulenförmigen Sandsteine der weißen Wand als die einzigen derartigen in Sachsen bezeichnet, sagt von den Orgelpfeifen, daß sie „ein Unicum, ein geolgischer Hauptschatz unseres so reichen Vaterlandes“ sind, und wir wollen die Schilderung dieses Hauptschatzes mit des genannten Forschers eigenen Worten folgen lassen. Er sagt:

„Südlich von den Steinbrüchen gelangt man zu zwei sehr merkwürdigen Sandsteingruppen, welche frei auf der äußersten Spitze eines hier steil abfallenden Sandsteingebirges stehen. Ich meine die Orgelpfeifen. Es sind zwei Erhebungen von drei bis vier Ellen Höhe. Die links, östlich gelegene, hat sechs, die rechts, westlich gelegene, hat zwei Ellen im Durchmesser. Beide sind gebildet aus senkrecht stehenden, eng aneinander liegenden, fünfseitigen Säulchen von zwei bis drei, selten vier Zoll im Durchmesser. Sie erscheinen äußerlich grau, auf den inneren Berührungsflächen sind sie gelbbraun. Sie bestehen aus Quarzkörnern mit Eisenoxyd. Durch beide Gruppen ziehen sich Adern von Brauneisenstein. Der Sandstein dieser Gruppen ist viel weißer, als der der weißen Wand.“

Das Etablissement, welches die Firma „Jonsdorfer Mühlsteinfabrik“ führt, liegt in Alt-Jonsdorf, dicht an dem Blitzenberge und etwa zehn Minuten von den Brüchen entfernt. Es besitzt an Gebäuden:

zwei Hauptwohngebäude, das Eine das Comptoir enthaltend, mit Stallungen und Scheune;
ein Hauptgebäude als Kittanstalt, in welchem sich das Arbeits- und Vorrathslokal befindet. Auch ist darin eine Gipsbrennerei und eine Schmiedewerkstatt eingebaut, sowie eine Kohlenremise.

Auf den Steinbrüchen befinden sich an Gebäuden

eine massive Schmiedewerkstatt und
fünf massive, mit Ziegeln gedeckte Werkhütten für die Steinbrecher.

In der Kittanstalt werden Mühlsteine aus Stücken, nach Art der französischen, zusammengesetzt.

In den Schmieden wird das Werkzeug für die Fabrikarbeiter theils gefertigt, theils geschärft; auch werden die zusammengesetzten Steine hier mit eisernen Reifen gebunden.

Das Etablissement beschäftigt sich lediglich mit dem Brechen von Mühlsteinen, dem Ausarbeiten der gewonnenen Steine, dem Justiren und Feinarbeiten derselben, und endlich dem Zusammensetzen der Steine.

In sämmtlichen Brüchen und der Kittanstalt werden hauptsächlich nur Mühlsteine gearbeitet. Aber auch Steine für Ultramarinfabriken, zum Knochenmahlen, zur Oel- und Lohmüllerei, zur Töpferei, zum Cichorienmahlen, und überhaupt alle Arten Faconsteine, welche harte oder weichere Körper zu zerreiben

Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 219. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/225&oldid=- (Version vom 11.5.2019)