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einen „europäischen“ nennen könnte. Sie stellten den Betrieb der Fabrik auf kaufmännische Weise her und führten bei der Fabrikation sowohl der ganzen als der zusammengesetzten Mühlsteine wesentliche Verbesserungen ein, um allen Anforderungen der Neuzeit gebührend Rechnung zu tragen und manche laut gewordenen Klagen zu beseitigen, welche namentlich die zusammengesetzten Steine der früheren Fabrik betrafen, welche ohne genügende Egalität in den Umsatzstücken, wie ohne weitere Accuratesse in dem Zusammenfügen hergestellt wurden; auch die Bearbeitung der ganzen Steine ließ dem jetzigen Standpunkte der Müllerei gegenüber sehr Vieles zu wünschen übrig.

Die ganze Aufgabe in dieser Beziehung erkennend, ist es den jetzigen Inhabern gelungen, durch rastlos eingeführte Verbesserungen ein Fabrikat herzustellen, welches allen Anforderungen entspricht und die Concurrenz der französischen Steine in keiner Beziehung zu fürchten hat.

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Wir benutzen die Gelegenheit, um über das weitere Vorkommen zu Mühlsteinen tauglichen Materials in Sachsen noch einige Worte zu sagen und wir wenden uns zunächst nach der sächsischen Schweiz, wo vorzüglich die Mühlsteine aus den Brüchen des Langhennersdorfer Grundes, am rechten Ufer der Gottleuba sehr geschätzt sind, und an diesen reihen sich die altberühmten Fabrikate der Brüche des Liebenthaler Grundes bei Lohmen. Beides sind ebenfalls Quadersandsteine, haben aber eine wesentlich andere Zusammensetzung wie die Sandsteine aus den Jonsdorfer Brüchen, wie aus der ebenfalls von Herrn Reichel gelieferten Analyse hervorgeht, welche wir zur Vergleichung hier mittheilen wollen. Hundert Theile des weißen Elbquadersandsteins enthalten:

Chemisch gebundene Kieselsäure = 0,370
Kalkerde = 0
Thonerde = 0,080
Talkerde = 0,200
Eisenoxyd = 0,180
Manganoxyd = 0
Schwefel- und Salzsäure = Spuren
Bituminöses Harz und Huminsäure = Spuren
Wasser = 0,550
Feinkörniger Sand = 98,620
= 100,000

Diese Sandsteine, wo der Kitt, auf dem ihre Porosität beruht, nur etwas Thon- und Talkerde ist, vermögen allerdings die Concurrenz der französischen Steine nicht auszuhalten, noch weniger diese zu verdrängen und sie finden hauptsächlich nur in denjenigen Mühlen Anwendung, wo das Getraide vor dem Mahlen genetzt wird.

Bei Mittel-Cunewalde bei Bautzen wurde Süßwasserquarz gefunden, der dort in zahlreichen Blöcken umherliegt, und welcher dem pariser Mühlsteine sehr ähnlich ist, aber seine körnige Beschaffenheit thut der Festigkeit und Schärfe des Kornes wesentlich Eintrag.

Ebenfalls vor nicht zu langer Zeit wurde bei Tannenbergsthal bei Eibenstock ein Material aufgefunden, welches die zu Mühlsteinen nöthige Porosität besitzt: es ist der Mühlsteinporphyr, welcher sich dem Quarz nähert. Die Grundmasse ist graugrün und umschließt Krystalle von Quarz, welche dem Gestein die nöthige Härte geben. Aber dieser Stein hat auch weichere Partien eines feinschuppigen Glimmergesteins[WS 1] und zahlreiche kleinere und größere Höhlungen, deren Wände mit kleinen Nadeln von Quarz und drusigen Partien von Rotheisenstein bekleidet sind, und dieses ist ein Nachtheil, indem das Mehl durch diese in dem Porphyr eingeschlossenen weichen Substanzen eine dunklere Farbe annimmt, folglich kann dieser Stein zum Feinmahlen nicht so gut verwendet werden, während er zum Enthülsen der Körner und zur Bereitung geringerer Sorten von Mehl sehr gut geeignet ist.



Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Glimmmergesteins
Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 221. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/227&oldid=- (Version vom 11.5.2019)