Seite:Album der Sächsischen Industrie Band 2.pdf/23

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In einer angenehmen und fruchtbaren Gegend der Schönburgschen Receßherrschaft Glauchau liegt zwischen der Pleiße und der Mulde, auf einem langgestreckten Hügel und zum Theil in zwei Thälern, dem Rosenthal mit dem Dietrichsbach und dem Seiferitzthal mit dem Seiferitzbach, die uralte Stadt Meerana, an der Leipzig-Zwickauer Straße und der Verbindungsbahn von Glauchau nach Gößnitz. Von der altenburgischen Grenze ist es kaum eine halbe Stunde entfernt, und von Gößnitz, der nächsten Station der sächsisch-baierschen Eisenbahn eine Stunde; die Entfernung von Glauchau beträgt 1½ Stunde, von Crimmitzschau 2 Stunden, von Waldenburg 3 Stunden, von Altenburg und Zwickau 4 und von Leipzig 16 Stunden, welche Entfernungen jetzt allerdings durch die Eisenbahnverbindungen bedeutend abgekürzt sind.

Meerana, urkundlich einst Meer, Mer oder Mor geschrieben, gehört zu den allerältesten Orten dieser Gegend und verdankt seine Gründung den Wenden. In früheren Zeiten war es der Hauptort einer eigenen kleinen Herrschaft und hatte einen bedeutend größeren Umfang als heute; es war mit Mauern und Wällen umgeben, hatte fünf bedeutende Vorstädte und eine ansehnliche Burg, welche 1174 als Residenz des geflüchteten böhmischen Königs Wladislaw diente, und deren letzten Reste 1572 abgetragen wurden. Von dem Aufenthalt Wladislaws datirt sich auch die böhmische Lehnsherrlichkeit über Meerana, die erst 1779 endete. – Seinen großen Umfang hat Meerana nicht sehr lange behauptet; Feuersbrünste sollen den endlichen Verfall der Stadt herbeigeführt haben, welche endlich ein sehr unbedeutender Ort wurde.

Die Erwerbszweige der Stadt waren früher hauptsächlich der bei der Fruchtbarkeit der Gegend sehr lohnende Ackerbau, die Viehzucht, der ergiebige Obstbau und die gewöhnlichen städtischen Handwerke, zu denen auch die Tuchmacherei und Zeugweberei gehörte. Doch kann diese Weberei in früheren Tagen nie sehr bedeutend gewesen sein und erst der neueren Zeit war es vorbehalten, die Stadt in industrieller Hinsicht so zu heben, daß sie jetzt als eine der wichtigsten Fabrikstädte Sachsens – man bezeichnet sie als im Range die dritte – gelten kann.

Im vorigen Jahrhundert begann man erst zu erkennen, daß Meerana für den allgemeinen Handelsverkehr eine sehr vortheilhafte Lage habe, der industrielle Unternehmungsgeist regte sich, es entstanden nach und nach einige Fabrikgeschäfte in wollenen Waaren und zu Ende des achtzehnten Jahrhunderts wurden selbst seidene und halbseidene Stoffe hier gefertigt, welche sich eines guten Rufs erfreuten. Die Kriegsjahre von 1806 bis 1814 riefen Stockungen im Geschäftsverkehr der Stadt hervor, doch 1816 zählte Meerane schon wieder zweihundert Zeugmachermeister mit hundert Gesellen, und 1830 hatte sich diese Zahl über das Doppelte vermehrt; diese Zahl blieb fortwährend im Steigen, so daß gegenwärtig über elfhundert Meister mit neunhundert Gesellen und über vierhundert Lehrlingen sich hier befinden. Außerdem arbeiten noch viele tausend Weber in Glauchau, Waldenburg, in dem volkreichen Mülsengrunde, im Voigtlande u.s.w. hierher, so daß Meeranas Fabrikanten auswärts gegen zehntausend Stühle beschäftigen.

Bei dem Fransenziehen finden ebenfalls viele hiesige Frauen und Kinder, sowie fremde Mädchen dauernde Beschäftigung.

Außer den vielen höchst bedeutenden Fabrikgeschäften befinden sich ferner hier sehr ansehnliche Färbereien, die eine bedeutende Anzahl Hände beschäftigen; diese Färbereien sind aber noch nicht hinreichend für Meeranas Bedarf, zudem die Stadt eben keinen Ueberfluß an Wasser besitzt, und deshalb wird für diesen Platz viel in dem benachbarten Glauchau gefärbt.

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Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 17. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/23&oldid=- (Version vom 7.1.2019)