Seite:Album der Sächsischen Industrie Band 2.pdf/233

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Diese Maschinenfabrik wurde in der letzten Hälfte des Jahres 1857 von dem Träger der Firma mit nur fünf Leuten übernommen, allein bald machte sich eine Vergrößerung des Geschäftes nöthig, welches seitdem in steigender Progression begriffen ist und gegenwärtig ein Personal von dreißig Mann fortwährend beschäftigt, als einen Comptoiristen, einen Maschinisten, einen Zeichner und sieben und zwanzig Maschinenbauer.

Als Branchen umfaßt das Etablissement

die Maschinenfabrikation für Papierfabriken, als Holländer, Satinirwerke und Papierschneidemaschinen, und
den Mühlen- und Dampfmaschinenbau speciell, sowie
die Anfertigung von Transmissionswerken, Werkzeugmaschinen, Pumpwerken, Walzwerken, Schrauben- und hydraulischen Pressen, Maschinen für Holz- und Drahtnägelfabrikation, Contresägen, Krahne, Winden u.s.w.




Sicherheitszünder-Fabrik von Bickford u. Co. in Meißen.


Jeder, der nur Etwas von dem Sprengen versteht, oder nur Kenntniß von der furchtbaren Kraft hat, welche das Schießpulver bei seiner Entzündung entwickelt, weiß auch welche Gefahren mit diesen Arbeiten verbunden sind; wie häufig kommen da nicht die schrecklichsten Unglücksfälle vor, wo die Betroffenen oft noch glücklich zu nennen sind, wenn schneller Tod sie ereilte und sie nicht erst unter furchtbaren Qualen, nach langem Schmerzenslager ihren Geist aushauchen, oder sie gar bei gräßlich verstümmeltem Körper ein langes, elendes, freudloses Leben hinschleppen müssen. Das geringste Versehen kann schon unzeitige Entladung der Sprengmasse zur Folge haben, welche dann Tod und Verderben verbreitet, und nicht eben selten sind, ungeachtet der Anwendung aller Vorsicht, durch Hinzutreten irgend eines unvorhergesehenen Umstandes, noch die traurigsten Folgen möglich.

Als ein wahres Verdienst um die Menschheit mußte es daher betrachtet werden, wenn es gelang, ein Mittel zu finden, durch welches diese Unglücksfälle unmöglich gemacht wurden und unsägliches Elend verhindert wurde, ein Mittel, welches den Arbeitern die Gewißheit gab, daß sie ihre gefahrvolle Beschäftigung ohne die Befürchtung vornehmen konnten, im nächsten Augenblick vielleicht schon zerschmettert zu werden. Viele tüchtige Männer stellten sich die Erfindung eines solchen Mittels zur Aufgabe, aber keinem gelang es, etwas vollkommen seinem Zweck Entsprechendes herzustellen und die Unglücksfälle dauerten fort.

In Cornwall, dem Lande der Bergwerke, in dem Städtchen Camborne lebte in dem ersten Drittel unsers Jahrhunderts ein bemittelter Bürger und Weißgerber, Namens Mr. William Bickford, der schmerzlich berührt durch die Menge von Unglücksfällen, die in Folge unzeitiger Entladungen bei den Sprengarbeiten in den zahlreichen Bergwerken seiner Umgebung fast täglich vorkamen, und wo er oft genug Gelegenheit hatte, solche verstümmelte Opfer ihres Berufs zu sehen, sich ernstlich mit der Idee beschäftigte, es müsse doch möglich sein, Etwas herzustellen, was die Sprengarbeiten, wo nicht gänzlich gefahrlos, so doch sicherer machte, als bisher. Von nun an wurde die Erfindung dieses Etwas seine Lebensaufgabe, und er opferte nach und nach sein ganzes Vermögen. Die Folge davon war, daß man den Mann


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Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 227. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/233&oldid=- (Version vom 11.5.2019)