Seite:Album der Sächsischen Industrie Band 2.pdf/236

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Mit derselben Bestimmtheit wie in trockenen Gegenden brennt der Zünder auch unter dem Wasser fort, weshalb er für Sprengungen unter dem Wasser, wie z. B. auf Flußbetten, vom größten Nutzen ist.

Die Zünder werden in Längen von fünfzehn, zwanzig bis dreißig Ellen und in verschiedenen Stärken, geeignet für die verschiedenen Sprengarbeiten, verkauft.




Die Erzgebirgische Societätsbäckerei u. Brauerei in Cainsdorf bei Zwickau.


Auch über die Bäcker ist das Schicksal ergangen, wie über so viele andere Handwerker, denen die fabrikmäßige Anfertigung ihrer Waaren einen bedeutenden Theil der Beschäftigung früherer Zeiten aus der Hand nahm, was unleugbar für den Einzelnen oft großen Nachtheil, für das Ganze aber bedeutende Vortheile hat. Zu den Vortheilen gehört, daß die Consumenten die Waaren bedeutend billiger erhalten, und dann, da die Fabriken in der Regel ihr Augenmerk auf Einführung der neuesten Verbesserungen richten und auch richten müssen, wollen sie sich nicht von Nebenbuhlern überflügeln lassen, auch die kleineren Fabrikanten und Handwerker aus dem beliebten alten Schlendrian herausgerissen und auf die Bahn des Fortschrittes getrieben werden, wollen sie anders nicht an ihrem eigenen Ruin arbeiten.

Wohl hatte es den Anschein, als müßte grade das Bäckergewerbe dasjenige sein, welches von solchen Verhältnissen unberührt blieb, schon darum, weil man annahm, bei der massenhaften Produktion der Brodfabriken müsse viel Brod längere Zeit liegen bleiben, und somit altbacken werden, wohl auch Schimmel zutreten und das Gebäck trotz aller Vorsicht dem Verderben anheimfallen, aber altbackenes Brod ißt bekanntlich Niemand gern, und in dem guten Glauben: „der Schimmel macht helle Augen“ wird gewiß auch Niemand verschimmeltes Brod essen, wenn er frisches haben kann. – Als man aber die Sache nur erst ernstlich versucht hatte, fanden alle gegen die Anlegung von Brodfabriken erhobenen Einwände in der Erfahrung ihre beste Widerlegung. Man fand, daß sich dieser Fabrikzweig mit Erfolg im Großen betreiben ließ, so gut wie jeder andere, oder eigentlich mit mehr Erfolg, denn Brod ist kein Modeartikel und kann also auch nie durch die launische Göttin Mode beeinträchtigt, oder wohl gar zu Grunde gerichtet werden, wie es bei anderen industriellen Etablissements häufig der Fall ist, die allein auf die Mode gegründet, auch durch die Mode fallen.

Der Anfang zu den Brodfabriken wurde dadurch gemacht, daß man in verschiedenen Landgemeinden Gemeindebäckereien anlegte, wo das Brod gleich in Masse gebacken wurde, und das einzelne Hausbacken wegfiel, und man fand, daß das Brod auf die Weise, wenn auch nicht immer besser war – denn dieses hängt zu sehr von der Beschaffenheit des Mehls und von der praktischen Tüchtigkeit des Bäckers ab – so doch mit weit weniger Kostenaufwand, namentlich mit ansehnlicher Ersparung des Heizungsmaterials hergestellt wurde. Diese Resultate riefen da und dort Nachahmungen hervor, doch nur in Landgemeinden und nicht in dem Grade, wie es bei der Sache wohl wünschenswerth wäre; in den Städten konnte sich diese Einrichtung nur in den allerseltensten Fällen Eingang erzwingen, da die Bäckergerechtigkeit mit allen ihren Anhängseln sich ihr hindernd in den Weg stellt und die Bäcker sich für ihre Person weit besser standen, wenn sie bei dem alten Verfahren blieben.

In Folge der bekannt gewordenen Resultate der Gemeindebacköfen wurden nun in Frankreich, Belgien


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Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 230. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/236&oldid=- (Version vom 17.1.2018)