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u.s.w. die ersten Versuche in großartigerer fabrikmäßiger Herstellung des Brodes gemacht und diese drängten zur Annahme neuer Verbesserungen, so wurden Backöfen neuesten Systems gebaut und Knetmaschinen eingeführt, wodurch man nicht nur in Stand gesetzt war, große Massen Teig auf einmal zuzubereiten, sondern das ganze Verfahren reinlicher und somit auch weit appetitlicher wurde. Wird doch so oft darüber Klage geführt, daß es in manchen Backstuben keineswegs so reinlich zugeht, wie es sein soll und wirklich ist auch manches Mal ein Blick in eine solche Bäckerwerkstatt hinreichend, um einem den ganzen Appetit nach Brod gewiß auf viele Tage zu verleiden. – Nun stellte es sich auch heraus, daß die Brodfabriken das Brod wohlfeiler und folglich auch besser und schneller verkaufen konnten als viele Bäcker, die ihr Gebäck nur mit vielem Aufwande von Brennmaterialien herzustellen vermochten, indem sie in der Regel bei ihren alten Backöfen bleiben, die zum großen Theil fast noch ganz so sind, wie sie vor zweitausend Jahren bei den Griechen und Römern waren, wie die Ausgrabungen in dem im Jahre 79 nach Christo durch einen Aschenregen aus dem Krater des Vesuv verschütteten Pompeji bewiesen haben. Die Backöfen haben in der letzten Zeit überhaupt viele Verbesserungen erfahren, doch sind manche dieser Verbesserungen von sehr zweifelhaftem Werth, und will man gerecht sein, so muß man sagen: trotz allen seinen Mängeln ist der Backofen der guten alten Zeit ungleich schätzbarer und praktischer, als manches kostspielige Bauwerk neuesten Systems.

Die erste Knetmaschine wurde im Jahr 1811 von dem Meister Lambert in Paris gebaut und er nannte sie Lambertine nach seinem Namen, doch hat sie dem Erfinder keineswegs die gehoffte Unsterblichkeit errungen, sie glich einem Butterfasse, war nicht hinlänglich zweckentsprechend und gelangte nie in Aufnahme. Seit jener Zeit sind über dreißig verschiedene Maschinen construirt worden, von denen die des Engländers Clayton ohne Widerrede die sinnreichste und praktischste ist.

Auch Deutschland konnte sich der Einrichtung von Brodfabriken nicht lange mehr verschlossen halten, und das erste derartige größere Etablissement entstand in Berlin. Dann folgten andere Orte und auch die sächsischen Städte blieben nicht zurück. In Sachsen entstanden die Brodfabriken in der Hofmühle in Plauen bei Dresden, in Dresden selbst, in Leipzig, Chemnitz u.s.w.

In Zwickau, welches, so wie seine Umgegend, in Folge seiner unerschöpflichen Kohlengruben einen so überraschend schnellen Aufschwung in industrieller Hinsicht genommen, war schon längere Zeit die Rede gewesen, eine Brodfabrik zu gründen, und so die Umgegend im weitesten Kreise mit gutem und billigem Brod zu versorgen, Herr Johann Gottlieb Claus sen., Fabrikant in Zwickau, nährte diese Idee vorzüglich und nahm sich deren Ausführung mit so regem Eifer an, daß er als eigentlicher Gründer des ganzen Unternehmens zu betrachten ist.

Es bildete sich ein Verein zum Zweck der Anlage einer Brodfabrik und einer Lagerbierbrauerei, und auch die Anlage einer Mahlmühle wurde beschlossen, da man von der Ansicht ausging: wolle man ein wirklich gutes Brod herstellen und des Gelingens stets gewiß sein, so müsse man auch das Material dazu, das Mehl, selbst bereiten.

Man beschloß die Ausgabe von dreitausend Stück Actien à siebzig Thaler, und nachdem von diesen eintausendvierhundert Stück gezeichnet waren, und man auch den dazu geeigneten Platz in Cainsdorf bei Zwickau erworben hatte, wurde im Jahre 1856 der Bau und zwar zunächst mit dem Bäckereigebäude begonnen. Der Betrieb der Bäckerei und der Mühle konnte schon im Jahre 1857 eröffnet werden, der der Brauerei im Jahre 1858. Vollendet wurden sämmtliche Gebäude im Jahre 1859. – Der Betrieb hat seinen guten Fortgang und hat sich von Jahr zu Jahr wesentlich erweitert.

Sehr wohlthätig zeigte sich dieses Etablissement im Jahre 1859 während der großen Ueberschwemmung durch die Mulde, indem von hier aus nicht nur die Stadt Zwickau sondern auch die ganze Umgegend mit Brod versorgt wurde.

Dieses unter der Firma

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Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 233. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/239&oldid=- (Version vom 17.1.2018)