Seite:Album der Sächsischen Industrie Band 2.pdf/244

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In der Nachbarschaft der Thodeschen Papierfabrik, der sächsischen Gußstahlfabrik und anderer Etablissements, an der Albertsbahn und nicht sehr entfernt von dem Bahnhofe Potschappel, finden wir bei dem Dorfe Döhlen das Glashüttenwerk Friedrichshütte.

Dieses Etablissement wurde in den zwanziger Jahren von Herrn Adolph Roscher gegründet, ging aber vor einigen Jahren in Besitz des in Dresden von den Herren Regierungsrath Dr. R. Engel, Gustav Schilling, Karl Jahn und Adolph Krüger gebildeten Actienverein für Glasfabrikation über, welcher die Firma „Sächsische Glashütten-Gesellschaft“ annahm. Das Werk erhielt nun durch neue Bauten ansehnliche Erweiterungen und überhaupt wurde Alles nach den neuesten Erfahrungen in dieser Branche und für den Betrieb in großartigstem Maßstabe eingerichtet. Im Jahre 1858 begannen die Arbeiten in dem Werke, welches sich eines raschen Aufschwunges erfreute, der fortwährende Erweiterungen nöthig machte. Da an tüchtig ausgebildeten deutschen Arbeitern Mangel war, da dergleichen Leute überall schon feste Anstellung hatten, so machte die Gesellschaft den Versuch mit aus dem südlichen Frankreich herbeigerufenen Glasarbeitern, welche aber den von ihnen gehegten Erwartungen keineswegs entsprachen, indem selbst Fälle vorkamen, daß durch sie gefertigte Arbeiten, namentlich Bouteillen, von den Bestellern als unbrauchbar zurückgesandt wurden. In Folge davon wurde der größte Theil der Franzosen sogleich entlassen und Andere folgten ihnen nach, die Gesellschaft aber hatte bedeutenden pecuniären Nachtheil, da die Franzosen enorm hohe Löhne beanspruchten und außerdem freie Her- und Rückreise sich ausbedungen hatten. Als einen Triumph deutscher Geschicklichkeit und Solidität kann man betrachten, daß gleichzeitig von deutschen Arbeitern angefertigte Bouteillen von den Bestellern tadellos befunden wurden, und die Zurücksendung nur die französischen Erzeugnisse betraf. Die Stellen der abgegangenen Franzosen wurden durch geübte Arbeiter aus Schlesien und den Rheinlanden besetzt, welche einen tüchtigen Arbeiterstamm bildeten und unter deren Leitung auch die übrigen Arbeiter auf eine Stufe der Ausbildung in ihrer Branche gelangten, welche das Herbeiziehen fremder Kräfte gänzlich unnöthig macht, wie denn die Fabrik bezüglich ihrer Leistungen hinter keiner anderen zurücksteht, was schon die mehr und mehr an Ausdehnung gewinnenden Verbindungen hinlänglich bekunden.

Der Gebäudecomplex dieses Werkes umfaßt

a) eine Tafelglashütte mit zwei Schmelzöfen und vier Strecköfen;
b) eine Grünglashütte mit einem Schmelzofen;
c) ein Streckofengebäude;
d) ein Pilleriegebäude mit Hafenhaus und Magazin;
e) ein Dampfmaschinengebäude;
f) ein Wasserstampfwerk;
g) sieben Wohngebäude, in deren einem das Comptoir sich befindet und
h) diverse Schuppen und Stallungen.

In Döhlen besitzt das Etablissement noch zwei Wohngebäude; auch gehören circa dreißig Scheffel Areal dazu.

Das Etablissement beschäftigt sich ausschließlich mit Glasfabrikation und es sind seine gangbarsten und renommirtesten Artikel Tafel- und grünes Hohlglas, namentlich Wein-, Champagner-, Mineralwasser- und Standflaschen, welche ihren Absatz durch ganz Deutschland und nach Amerika finden. Der Vertrieb wird zum Theil durch Agenturen der Firma in Hamburg, Magdeburg, Berlin und Leipzig vermittelt.

An Maschinen besitzt das Werk eine Dampfmaschine von fünf Pferdekraft und ein Wasserstampfwerk.

Das die Oberleitung der Geschäfte führende Directorium besteht aus den Herren R. Echtermeier, Julius Arndt und R. Kuntze.

Beschäftigung finden in dem Glashüttenwerk beständig 136 Personen, unter diesen ein Comptoirist, ein Buchhalter, ein Inspektor, ein Geschäftsführer, ein Aufseher und zwei Maschinenführer.



Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 238. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/244&oldid=- (Version vom 11.5.2019)