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Der Kleinnaundorfer- oder Reiboldschacht

erreicht bei 180 Lachter Teufe das erste abbauwürdige Kohlenflötz, und es sind hier die Verhältnisse der Flötze wie bei dem Windbergschacht.

Das Kleinnaundorfer Revier lieferte in obengenannter Zeit aus 13 Kohlenörtern mit 59 Mann Belegung 264,830 Scheffel Kohlen, was gegen das vorhergehende Jahr einen Ausfall von 3,207 Scheffeln ergiebt.

Die Gesammtförderung beider Schächte belief sich in dem angeführten Rechnungsjahre 1859–1860 auf

199,154 Scheffel weiche Kohlen,
284,485 Scheffel harte Kohlen,
5,564 Scheffel Schmiedekohlen und
297,937 Scheffel klare,
199,154 Scheffel weiche Kohlen,
Summa 787,363 Scheffel Kohlen,

wogegen die Förderung des Rechnungsjahres 1858–1859 nur 783,672 Scheffel betrug. Von den geförderten Kohlen wurden in dem genannten Zeitraum 781,968 Scheffel abgesetzt.

In dem mehr erwähnten Rechnungsjahre waren von den Coaksöfen der Gesellschaft zehn der größten im Gange, die 46,664 Scheffel Coaks lieferten.

Bei Abschluß der Rechnung des Jahres 1859–60 ergab sich ein Reingewinn von 20,412 Thalern, so daß den Actionären eine Dividende von fünf Procent gewährt werden konnte. Das Rechnungsergebniß würde sich übrigens noch günstiger gestellt haben, wenn die Kohlenpreise nicht sehr herabgegangen wären.

Directoren des Vereins sind gegenwärtig die Herren Echtermeyer, Klette und Lehmann.

Sowohl der Windbergschacht, als auch der Reiboldschacht sind mit der Albertsbahn durch eine Zweigbahn verbunden, die man gewöhnlich die kleine Sömmeringbahn nennt, und die in der That ein Bau ist, wie ihn Sachsen bis jetzt zum zweiten Mal nicht aufzuweisen hat, und dessen Ausführung für unmöglich gehalten wurde, dem Genie des Herrn Oberingenieur Brescius aber doch gelang.

Die Kohlenbahn, die ausschließlich zum Transport von Kohlen bestimmt ist, verläßt in der Nähe des Eisenwerkes „Friedrich-August-Hütte“ die Albertsbahn, und geht nun auf dem rechten Weiseritzufer weiter. Schon von hier bietet sich ein ungewöhnlicher Anblick, denn man sieht nicht nur an dem Berge, sondern auch auf dessen höchster Spitze Bahnwächterhäuschen und Telegraphen stehen, und begreift nicht, wie die Bahn da hinauf kommen soll.

Dieses Hinaufkommen ist nur durch starke Krümmungen möglich, die Steigung bleibt aber trotzdem immer noch so stark, daß auf vierzig Fuß Länge ein Fuß Höhe kommt. Die Krümmungen sind noch auf keiner für Locomotivenbetrieb bestimmten Bahn in solchem Maßstab in Anwendung, wie hier, denn der Halbmesser der schärfsten Krümmungen beträgt nur dreihundert Fuß, also die Hälfte der gegenwärtig auf Hauptbahnen noch für zulässig erachteten Halbmesserlängen.

In Rücksicht auf diese Krümmungen sind nun allerdings eigene Locomotiven nöthig, dieselben gingen aus der Fabrik von Richard Hartmann in Chemnitz hervor, sind kleiner, als die gewöhnlichen und unterscheiden sich von diesen dadurch, daß die vordersten vier Räder in einem gemeinschaftlichen Gestell ruhen, sodaß sie sich in jeder Richtung einstellen können, wie sie die scharfen Krümmungen der Bahn verlangen.

Die Bahn macht schon an dem Ufer der Weiseritz eine starke Krümmung und beginnt nun ihre Steigung, nach einer zweiten Krümmung kommt sie bei dem Moritzschacht vorbei, einem der Werke des Gitterseer Actienvereins, der nach viel versprechendem Anfang ein so trauriges Ende nehmen sollte. Die

Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 245. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/251&oldid=- (Version vom 11.5.2019)