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gearbeitet hatte und dann die gemachten Erfahrungen in Markneukirchen anwendete, auch als fähiger Kopf eine Menge Verbesserungen erfand; er lehrte hier auch zuerst die Kunst, die Instrumente fein zu lakiren. Tängel starb als fast hundertjähriger Greis 1757.

Wie umfangreich schon 1690 die Fabrikation betrieben wurde, beweist ein Scherzwort des starken August. Die Instrumentenmacher von Markneukirchen reichten in diesem Jahre eine Bittschrift ein um Gewährung einiger Privilegien und mehrerer Erleichterungen. Lächelnd sagte da der König: „Wir wollen es diesen Leuten nicht abschlagen, denn wenn die auf ihren Geigen und Pfeiffeln darüber zu lamentiren anfingen, so müßte wohl die Hälfte des Voigtlandes aus Angst davon laufen.“

In dem ersten Viertel des achtzehnten Jahrhunderts trat der Baier Joseph Ströz auf und lehrte die Fertigung der Bogen, wozu er aber nur geringes Holz verarbeitete, nach seinem 1760 erfolgten Tode verbesserten und verfeinerten der Musikus Schulze und der Tischler Otto die Bogen, so daß jetzt das Stück zu fünfzehn Thaler geliefert wird.

1725 traten auch die ersten Saitenmacher auf.

1750 lieferte Joseph Eschenbach zuerst Waldhörner und überhaupt alle Messinginstrumente, während man bisher nur vereinzelt Trompeten geliefert. Dieses führte dann zur weiteren Verbesserung der hölzernen Blasinstrumente durch J. G. Gütter, so daß von 1760 an alle Arten Instrumente geliefert werden konnten, vorzüglich da C. Heberlein auch die Fabrikation der Wirbel etwa um dieselbe Zeit einführte.

Die Reisenden aus dem Voigtlande gingen nun nicht allein durch ganz Deutschland, sondern auch nach Holland, Dänemark, Schweden, Frankreich, Italien, Malta, Nord-Amerika u.s.w. und der Versandt verbreitete sich über die ganze civilisirte Erde, zudem die billigeren Instrumente von den Schiffskapitänen gern als beliebte Tauschartikel erstanden wurden. Späterhin errichteten einzelne Fabrikanten selbst Commanditen in fremden Ländern, wie die jetzt noch bestehende Klemmsche Fabrik (jetzt Firma Georg und August Klemm) eine solche in Philadelphia.

Im Jahre 1802 gab es im Voigtlande im Ganzen über zweihundert Instrumentenmacher und diese lieferten im genannten Jahr 265 Dutzend Violinen, 11 Bässe, 14 Bassethörner, 572 Flöten, 98 Picoloflöten, 162 Octavflöten, 250 Clarinetten, 42 Fagots, 304 Waldhörner, 213 Posthörner, 180 Trompeten und dergleichen mehr, dabei eine ungeheure Menge kleiner Pfeiffen u.s.w. Ebenso wurden 4320 Bund Darmsaiten gefertigt, wozu die rohen Schafdärme größtentheils aus Dänemark und Schweden bezogen wurden.

Im Jahre 1806 befanden sich in Markneukirchen allein 90 Geigen- oder Baßgeigenmacher, 12 Waldhörner- und Trompetenmacher, 24 Violin- und Baßbogenmacher, ohne die vielen anderen dabei beschäftigten Personen. In Klingenthal befanden sich zu derselben Zeit etwa 80 Fabrikanten.

1820 befanden sich in Markneukirchen 17 Bogen- und 69 Geigenmachermeister ohne die Gesellen und Lehrlinge, ebenso 30 Saitenmachermeister. Hierzu kamen noch viele andere unmittelbar bei der Fabrikation beschäftigte Personen. Diese lieferten gegen 7000 Bund Violinsaiten, 350 Dutzend Saiteninstrumente, gegen 2600 Stück Blas-Instrumente und 400 Dutzend Violin- und Baßbogen. Gleichzeitig war hier die Fabrikation von Pianofortes, Klavieren, Guitarren, Zithern, Lyras, Harfen, Mandolinen, Harmonikas, Aeolsharfen u.s.w. entstanden. – Klingenthal lieferte in demselben Jahre 800 Violinen, 150 Bässe und mehrere Tausend Lauten, Harfen, Zithern u.s.w.

Gegenwärtig beträgt die Zahl der bei diesem Industriezweige unmittelbar beschäftigten Arbeiter gegen 2500 und die dadurch im Ganzen ernährten Menschen 27,500. In Markneukirchen allein besteht die Instrumentenmacher-Gesellschaft aus 102 selbstständigen Mitgliedern mit über 100 Gehülfen ohne die

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Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 248. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/254&oldid=- (Version vom 11.5.2019)