Seite:Album der Sächsischen Industrie Band 2.pdf/288

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Zu den wichtigsten Fabrikstädten Sachsens und im Besonderen des Erzgebirges, zählt auch Döbeln, in dem Kreisdirektionsbezirke Leipzig, wo es nach Leipzig an Größe die zweite Stadt und auch die schönste ist. Döbeln liegt am Fuße des Erzgebirges in einem reizenden Thalkessel, die innere Stadt auf einer von den Armen der Mulde gebildeten Insel, und es ist von Leipzig 14, von Dresden 12 und von Riesa 7 Stunden entfernt. In der Entfernung von einer halben Stunde liegt das Dorf Groß-Bauchlitz mit dem Bahnhofe der Chemnitz-Riesaer Eisenbahn, welche für Döbeln eine unentbehrliche Lebensader genannt werden muß. – Außerdem besitzt Döbeln noch Chausseeverbindung nach verschiedenen Richtungen, und nur vortheilhaft dürfte es für die Stadt und ihren Verkehr sein, wenn das zur Sprache gebrachte Projekt einer Eisenbahn von Meißen nach Lommatsch und deren Fortführung bis Döbeln zum Anschluß an die Chemnitz-Riesaer Bahn, zur Ausführung käme.

Die Stadt hat jetzt nahe an 7500 Einwohner. 1697 betrug die Einwohnerzahl nur 1700; 1795 hatte Döbeln 3244, 1806 4200, 1815 5100, 1828 5200, 1843 6070, 1849 7158 und 1856 7218 Bewohner. Dieser Menschenvermehrung entsprechend, hat die Stadt auch ihre Vorstädte mehr und mehr ausgedehnt.

Döbeln ist sehr alt und man kennt das Jahr seiner Erhebung zur Stadt nicht, nur so viel steht fest, daß die Sorbenwenden, welche einst diesen Gau bewohnten, die ersten Erbauer der Stadt sind, wie denn auch der Name, sonst Dobelyn, Dibelen, Döbelin geschrieben, auf wendischen Ursprung deutet, doch ohne daß man bis jetzt über dessen Bedeutung einig geworden wäre, denn während Einige auf dobry, gut, denken und die Deutung „gutes Land“ geben, nehmen Andere wieder die Ableitung von dub, die Eiche, an.

Döbeln hatte in dem Laufe der Jahrhunderte mannichfache Drangsale zu erdulden. – So war es schon in den Zeiten des Mittelalters, wo erst die Herren von Donyn und dann die meißnischen Markgrafen die Besitzer der Stadt waren, und wo 1292 die Stadt nebst Schloß von den Böhmen gänzlich niedergebrannt wurden. Ebenso sank sie 1333 vollständig in Asche und im Jahre 1429 übten die Hussiten hier ihr graußiges Mordbrennerhandwerk. Ein gleiches Schicksal hatte die Stadt in dem Bruderkriege.

Neben dem Feuer, das oft in mehr oder minder großer Ausdehnung hier wüthete, grassirte auch die Pest, so von 1584 bis 86, von 1612 und 13, wo in dem ersten Jahre allein 1129 Personen erlagen. Der dreißigjährige Krieg brachte ebenfalls viele Leiden über die Stadt, 1634 wurde sie von dem kaiserlichen Oberst Schönnickel, einem geborenen Chemnitzer, auf das grausamste ausgeplündert, und im J. 1637 wiederfuhr ihr dasselbe Schicksal durch die Schweden unter General Banner, wo auch ein Theil der Stadt den Flammen zum Opfer fiel. Dann brach 1730 eine furchtbare Feuersbrunst aus, welche 260 Häuser in Asche legte.

Der siebenjährige Krieg brachte für Döbelns Einwohner viele Sorgen mit sich, denn nicht nur, daß es eine Menge Lieferungen zu leisten hatte, und fast beständig Einquartierungen innerhalb seiner Mauern lagen, sondern es trafen auch in seiner Nähe oft preußische und österreichische Krieger auf einander, und einige Male geschah es sogar, daß beide Parteien von den umliegenden Höhen sich über die Stadt hinweg mit Kanonen beschossen; 1762 schlug bei Döbeln der Prinz Heinrich von Preußen den österreichischen Feldmarschall Serbelloni.

Auch die französischen Kriege brachten der Stadt große Lasten, namentlich 1813, wo sie durch beständige Durchmärsche und Einquartierungen bald der Franzosen, bald der Verbündeten viel zu leiden hatte. Es wurden von beiden Parteien große Ansprüche gemacht, Brandschatzungen erhoben, Lieferungen ausgeschrieben und so nach und nach die Stadt in allen ihren Hilfsquellen gänzlich erschöpft. – Und

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Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 282. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/288&oldid=- (Version vom 11.5.2019)