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kaum war die Ruhe gesichert, da brachen wieder verheerende Brände in den Vorstädten aus, so 1816, 1818, 1819, 1820 u.s.w.

Auf solche Weise oft der gänzlichen Verarmung nahe gebracht, erhob sich die Stadt durch die Thätigkeit ihrer Bewohner doch immer wieder zu neuer Blüthe und arbeitete sich zu dem Range einer bedeutenden Fabrikstadt empor. Schon früh hatten sich Döbelns Einwohner mit verschiedenen Industriezweigen beschäftigt, obwohl der fruchtbare Boden der Umgegend sie vorzugsweise auf Landwirthschaft hinzuweisen schien, fand doch hier zu Zeiten ein wahrer Ueberfluß von Getreide Statt, z. B. 1498 und 99, wo für einen Scheffel Korn der höchste Preis sechs alte Groschen war. Butterhandel war lange Zeit einer der besseren Nahrungszweige der Einwohner.

Allein auch andere städtische Gewerbe blühten hier, hauptsächlich Tuchmacherei, Leinweberei, und Bierbrauerei. 1697 befanden sich hier 129 Wollenweber und 29 Leinweber; gebraut wurden in jener Zeit jährlich 1300 Faß Bier. Später kamen zu diesen Erwerbzweigen noch die Strumpfwirkerei und die Fabrikation von Hüten dazu. Dieser letztere Industriezweig gewann einen überraschend großen Aufschwung und die „Döbelnschen Hüte“ erfreuten sich eines so großen und weit verbreiteten Rufes, daß sie sogar in einem lateinischen Gedichte besungen wurden, welches gedruckt jetzt noch in einzelnen Exemplaren vorhanden ist. – Absatzwege für die Fabrikate waren hauptsächlich zu Leipzig, Naumburg, Magdeburg, Braunschweig, Breslau u.s.w., wo die Döbelner mit ihren wohlbekannten Waaren so wenig fehlten als auf den Märkten Sachsens. In dem ersten Viertel des vorigen Jahrhunderts gingen durchschnittlich das Jahr zweitausend Stück Tuch auf die Messen, und 1727 war die Zahl der Wollenweber auf 212 gestiegen.

In dem Jahre 1788 wurden in Döbeln gefertigt: 2655 Stücke Tuch und Tüffel, 29 Stück Flanell, 63 Dutzend wollene Strümpfe, 3196 Hüte, 10 Stück rohe Kattune, 59 Stück Barchent und 181 Schock Leinwand. – In den Jahren 1804 bis 1806 wurden geliefert: 650 Stück Leinwand, 5000 Stück Barchent, 1500 Dutzend Paar baumwollene Strümpfe und Handschuhe, 1700 Dutzend Paar schafwollene Strümpfe, 10,400 Stück Hüte, 4000 Stück Tuch, Tüffel und Flanell.

Diese Produktion galt für die damaligen Verhältnisse sehr bedeutend, man vergleiche aber damit, was heute durch Hilfe der Maschinenarbeit geliefert wird, um den Abstand zwischen der Industrie von Sonst und Jetzt recht deutlich zu erkennen. Jetzt sind hier eine Anzahl zum Theil sehr großartig eingerichtete Tuchfabriken, die größtentheils zugleich mit Spinnereien verbunden sind und bald mit Dampf-, bald durch Wasserkraft betrieben werden. – Ebenso existiren hier Cigarrenfabriken, eine großartige Faßfabrik, viele bedeutende Gerbereien u.s.w.

Unter den vielen industriellen Anlagen Döbelns wählen wir vorerst


die Etablissements von Daniel Beck


zu näherer Betrachtung.

Diese Etablissements umfassen im Ganzen acht Haupt- und fünf und zwanzig Nebengebäude und wird davon

in vier Haupt- und zehn Nebengebäuden die Lohgerberei betrieben;
in drei Haupt- und zwei Nebengebäuden die Lederlackirerei und Leimsiederei und
in einem Haupt- und dreizehn Nebengebäuden findet die Fabrikation von Papier, Pappen- und Preßspähnen Statt.

Nebenbei wird noch die Oekonomie betrieben und befinden sich die dazu nöthigen Gebäude in der Nähe der Fabrikgebäude.

Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 289. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/295&oldid=- (Version vom 11.5.2019)