Seite:Album der Sächsischen Industrie Band 2.pdf/325

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Zwei Erfinder.


Man weiß, wie wichtig die mechanische Spinnerei für den großartigen Aufbau der Baumwollenindustrie geworden ist, ohne die erste wäre die zweite gar nicht möglich; so begegnet man jetzt überall, wo überhaupt reges industrielles Leben sich entfaltet, den ansehnlichen Gebäuden – nicht selten selbst Palästen gleich – wo die Kraft des Wassers oder des Dampfes tausend und abermals tausend Spindeln in Bewegung setzt, wo das Rohmaterial mit einer Gleichmäßigkeit in feinere und stärkere Fäden verwandelt wird, wie sie bei dem ehemals üblichen Handgespinnst nicht zu erzielen war. Man findet fast kein Land mehr, wo die Civilisation sich Eingang verschafft, in welchem nicht mehr oder minder großartige Spinnereien in rastloser Thätigkeit arbeiteten, und viele Länder, die sich auch sonst durch ihre Industrie bemerklich machen, sind im Verhältniß wohl sehr reich mit solchen mehr oder minder großartig angelegten Etablissements ausgestattet.

Auch unser Sachsen hat auf verhältnißmäßig kleinem Raume sehr viele solcher oft sehr bedeutender Etablissements aufzuweisen, in denen viele hunderttausend Spindeln sich im Betrieb befinden, namentlich sind es das Erzgebirge und das Voigtland, wo man den meisten Spinnereien begegnet. Gewaltige Massen Rohmaterials werden hier verarbeitet, groß ist die Produktion, aber doch noch lange nicht hinreichend für den Bedarf der sächsischen Fabriken, welche gezwungen sind, aus der Rheinprovinz, England u.s.w. ansehnliche Quantitäten Gespinnste einzuführen.

Werfen wir nun einen Blick auf die Männer, deren Erfindung allein diesen großartigen Aufschwung der Industrie möglich machte und welche durch dieselbe sich auch um unser engeres Vaterland hochverdient machten, dem sie allerdings nicht angehörten. Männer, welche wirklich nützliche und wohlthätige Erfindungen machten, haben ein Recht auf die Hochachtung und Dankbarkeit Aller. Jene Männer, denen wir die Erfindung der mechanischen Spinnerei verdanken, sind die Engländer James Hargreaves und Richard Arkwright.

Bereits vor diesen Männern waren viele Versuche zur Anfertigung von Spinnmaschinen gemacht, von denen die des John Wyatt die Erwähnungswerthesten sind, aber doch noch so wenig zweckentsprechend sich bewiesen, daß die erste von Wyatt eingerichtete Spinnmühle schon ein Jahr darauf (1743) wieder außer Betrieb gesetzt wurde. Erst

James Hargreavers

kam zu einem erfreulichen Resultat.

Hargreaves war ein unbemittelter Weber in dem Dorfe Standhill bei Blakburn, welcher nur geringen Schulunterricht genossen hatte, aber dennoch sich durch eigene Kraft weiter auszubilden wußte; namentlich beschäftigte er sich mit Vorliebe mit Mechanik und er zeigte sich in diesem Fache als sehr erfinderischer Kopf. – Indem er sich bemühte, Verbesserungen an den Krämpeln zu machen, kam er auf die Idee, die so erhaltenen Wollenbänder, die ohne zu reißen, sich weiter ausdehnen ließen, zugleich zu Fäden zu verspinnen, wobei er sich das Handspinnrad – eine echte deutsche Erfindung – mit flügelloser Spindel zum Muster nahm.

So entstand denn 1767 seine erste Spinnmaschine mit nur acht Spindeln, welche er nach seiner

Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 319. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/325&oldid=- (Version vom 11.5.2019)