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Tochter Jenny, welche sie besorgte, Spinning Jenny nannte. Das dabei befolgte Prinzip war einfach. Hargreaves brachte zwischen den aufgesteckten Spulen, welche die Krämpelbänder enthielten, und den von einer Trommel gemeinschaftlich mittelst Schnuren und Wirtel bewegten Spindeln eine Art Presse an, welche die Bänder zeitweise festhielt; während sich die Spindeln entfernten, so streckten sich die Bänder und wurden durch Drehung der Spindeln zu feinen, festen Fäden. – Noch heute ist dieses Prinzip in der Hauptsache beibehalten und auch der Name der Maschine ist geblieben, so daß die Tochter des armen Webers von Standhill Unsterblichkeit erlangt hat.

Bald darauf gelangte der geniereiche Erfinder dazu, seine Maschine soweit zu vervollkommnen, daß ein Mädchen bis hundert und zwanzig Spindeln bedienen konnte, und er ging nun damit um, seine Erfindung in großem Maßstabe anzuwenden. – Doch da erhob sich des Volkes Grimm gegen ihn, die Arbeiter glaubten, durch diese Maschinen ihr Brod zu verlieren, der Verarmung und dem Hungertode entgegen zu gehen, der stets schadenfrohe und zerstörungslustige Pöbel schloß sich ihnen an und die erbitterten Massen stürmten das Haus Hargreaves, zerschlugen seine Maschine und bedrohten sein Leben, so daß er flüchten mußte.

Hargreaves siedelte nun nach Nottingham, wo er rastlos an der Verbesserung seiner Erfindung arbeitete und eine neue Spinnfabrik gründete; doch seine Hoffnung, hier vor den Angriffen des Pöbels geschützt zu sein, ward bitter getäuscht, wieder empörte sich das Volk gegen ihn und nur mit Mühe und Wunden bedeckt, konnte er aus den Händen der Wüthenden befreit werden, welche in ihm ihren größten Feind zu sehen glaubten.

So verfolgt, angefeindet, selbst tödtlich gehaßt, war das Leben voll Bitterkeit für den Erfinder, der seine letzten Mittel zugesetzt hatte und nun immer tiefer in Armuth sank. – Auch die Ehre der Erfindung wollte man ihm zuletzt nicht mehr gönnen, Andere, denen es vielleicht gelang, hier oder da eine kleine Verbesserung oder Aenderung an seinen Maschinen anzubringen, nahmen die Ehre der Erfindung für sich in Anspruch. So mußte auch Hargreaves das bittere Loos so manches genialen Erfinders im vollsten Maaße erfahren; er, dessen Erfindung nachher Tausenden zu großem Reichthum und noch andern Tausenden wenigstens zum Wohlstand verhalf, sah sich zuletzt durch die bitterste Armuth gezwungen, in dem Arbeitshause zu Nottingham eine Zuflucht zu suchen und dort ist er gestorben, so von aller Welt vergessen, daß man nicht einmal das Jahr seines Todes mit Bestimmtheit weiß. – Es ist oft ein Unglück, einen hellen Kopf zu haben und ein genialer Erfinder zu sein!

Glänzender freilich war das Loos des

Richard Arkwright.

Dieser war im Jahre 1740 in Preßton in Lancashire geboren und widmete sich dem Barbiergewerbe, in welchem er nie auf einen grünen Zweig kam, da er weit mehr Neigung hatte, das Räderwerk einer Uhr zu studiren oder Maschinenmodelle zu fertigen, denn seinen Kunden den Bart abzunehmen. Vorzüglich beschäftigte den jungen Mann die Idee eines Perpetuum mobile, welcher er Jahre lang nachgrübelte, aber natürlich vergebens, wie denn dieses Problem auch schwerlich gelöst werden dürfte.

Auch das Spinnen der Baumwolle nahm bald seine Aufmerksamkeit in Anspruch und da war es vorzüglich das Wyattsche System, welches er studirte und einer weiteren Ausbildung für fähig hielt. Dieser Gedanke beschäftigte ihn bald ausschließlich und zwar so, daß er 1767 Scheermesser und Barbierbecken im Stiche ließ und mit dem Entschluß, sich ganz der Mechanik zu widmen, nach Warrington ging. Hier lernte er einen Uhrmacher Namens Kay kennen, der sich ebenfalls schon längere Zeit, aber ohne Erfolg, mit dem Bau einer Spinnmaschine für Baumwolle beschäftigt hatte, und verband sich mit ihm zu gleichem Zweck.

Aber der Eine war so mittellos wie der Andere und sie würden daher auch nicht viel haben beginnen können, wenn Arkwright nicht zufällig einen wohlhabenden Fabrikanten in Liverpool, Namens Atherton

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Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 320. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/326&oldid=- (Version vom 11.5.2019)