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Beschäftigt sind in der Fabrik fortwährend fünfzig bis siebenzig Leute, außer dem Comptoiristen, Herrn Effenberger

zwanzig Näherinnen,
zehn bis fünfzehn Gesellen,
zwanzig bis fünf und zwanzig Fabrikarbeiter und
ein Modelltischler.

Den Verkauf besorgen fünf Verkäufer.

Die Fabrik besitzt in Leipzig selbst zwei Verkaufsetablissements, nämlich

Grimmaische Straße, Nr. 12, erste Etage, nur Detailverkauf,
Rosenthalgasse Nr. 14, Engros- u. Detailverkauf.

Gründer des Etablissements ist Herr Gottlob Friedrich Haugk, welcher das Geschäft 1786 in geringem Umfange begann, doch begann es unter umsichtiger Leitung bald emporzublühen und ist in fortwährendem Steigen begriffen gewesen, durch Zeitereignisse hervorgerufene momentane Hemmnisse abgerechnet, denen eben jedes andere industrielle Etablissement in dergleichen Perioden auch unterworfen ist; dem Fortschritt konnte aber auch durch diese störenden Zeitverhältnisse nie ganz Einhalt geboten werden. Dabei hat sich das Etablissement in jeder Hinsicht den ehrenvollsten und weitverbreitetsten Ruf erworben und concurrirt mit Erfolg mit den besten französischen und englischen Fabriken. – Die Fabrik ist dabei stets im Besitz einer und derselben Familie geblieben, gegenwärtig ist Herr Herrmann Haugk alleiniger Besitzer.

Einen wesentlichen Antheil an dem schönen Erblühen des Etablissements muß man Leipzigs berühmten Messen zuschreiben, welche überaus günstig zum Vertrieb im großartigen Maßstabe sind, und bei dem Zusammenströmen von Fremden aus allen Weltgegenden einem thätigen und umsichtigen Manne genügende Gelegenheit zur Anknüpfung von Verbindungen nach allen Richtungen bieten.

Betrachtet man das lange Bestehen dieses Etablissements, so kommt man auf die Idee, wie interessant es sein müßte, wenn man hier eine Sammlung von allen Gattungen Hüten fände, welche seit 1786 hier gefertigt sind, wir würden da von dem alten ehrlichen Dreimaster und den Bonapartes oder Inwoyables an bis auf die neueste Zeit gewiß einer wirklich seltsamen, bisweilen selbst abenteuerlichen Formenverschiedenheit begegnen, Formen, die uns bisweilen nicht nur komisch, sondern selbst lächerlich vorkommen würden, die aber doch ihrer Zeit für ausgezeichnet schön und geschmackvoll gehalten wurden, weil es eben die Mode mitbrachte. Welche Gedanken würden sich auch bei vielen dieser Formen aufdrängen!



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Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 326. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/332&oldid=- (Version vom 9.3.2019)