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an der Spitze der Züge durch einen hergestellten Ausgang nach der Fabrikstraße, diese entlang nach der Leipziger Straße und in den Fabrikhof, dessen Eingang prächtig verziert war. Im Wohnhause wurde nun dem Jubilar durch eine Abordnung ein ihm von seinem Beamten- und Comptoirpersonale gewidmetes prachtvolles Album überreicht. Dasselbe ist, seinem äußeren Schmucke nach, aus dem rühmlichst bekannten Atelier der Herren Theodor Strube und Sohn in Leipzig hervorgegangen und enthält außer den photographischen Portraits der jetzigen und früheren Mitarbeiter des Jubilars und photographischen Darstellungen aus dem Leben und Wirken des Gefeierten, eine sinnige, edle Dichtung in acht Bildern. Auf eine treffliche, mit Begeisterung vorgetragene Festrede dankte der Jubilar tiefgerührt in längerer Ansprache und schloß mit einem dreifachen Hoch auf seine Arbeiter. Es ließ sich erwarten, daß auch die Regierung diesen Tag nicht ohne Beweise der Anerkennung vorübergehen lassen würde. Der König ehrte den Jubilar mit dem Titel „Commerzienrath“. Schriftliche Beweise der Verehrung waren eingegangen von den sämmtlichen Ministerien, vom Geheimen Rath Dr. Weinlig, Geheimen Finanzrath Schill, der Kreisdirektion zu Zwickau, durch den Amtshauptmann Ritter Brückner überreicht, und von vielen Vorständen größerer Gewerbschaften u.s.w. Eine Abordnung des Stadtraths von Chemnitz überreichte ein Beglückwünschungsschreiben, der Handwerkerverein das Ehrendiplom. Die Hüttenleute vom Kupferhammer Grünthal widmeten eine kupferne Votivtafel. Depeschen und Beglückwünschungsschreiben in Prosa und Poesie liefen während des Tages zahlreich ein.

Abends vereinigten sich die Beamten der Fabrik und das Bureaupersonal zu einem heiteren Festmahl im Saale der „Linde“, wo auch eine Abtheilung Arbeiter zu frohem Mahle und Ball zusammen kamen, während das übrige Arbeiterpersonal in fünf Localen der Stadt zu gleichem Zweck versammelt war.

Kein Mißton störte das heitere Fest, das bis zum Morgen währte. Die Fabrikarbeiter haben bei demselben abermals den erfreulichen Beweis geliefert, daß sie trotz verschiedener Bildungsgrade jubeln und fröhlich sein können, ohne irgend wie zu Rohheiten sich hinreißen zu lassen. Es ist gewiß anerkennenswerth, wenn in einer Nacht mindestens drei bis viertausend Menschen tollen und jubeln, ohne daß nur eine Ueberschreitung vorkommt.

Wir entnehmen die Festbeschreibung selbst der „Glocke“, deren Redakteur früher ebenfalls in dem Etablissement des Herrn Hartmann angestellt war und fügen noch hinzu, daß Herr Richard Hartmann bei der Londoner Weltausstellung von 1862 vier Medaillen erhielt, für Klasse 5, 7 A. 7 B u. 8.




Die Streichgarn- und Vigognespinnerei von Julius Herrmann Wolf in Burgstädt.


Die Fabrik des Herrn Julius Herrmann Wolf in Burgstädt befindet sich nicht in der Stadt selbst, sondern in dem an der Straße von Burgstädt nach Mittweida gelegenen Markersdorf.

Der Gebäudecomplex des Etablissements besteht aus:

a) dem Hauptgebäude, von 103 Ellen Länge, in welchem die Spinnerei betrieben wird;
b u. c) zwei Wohnhäuser;
d) dem Wolfgebäude mit drei Gewölben und Niederlagen;
e) dem Färbereigebäude, in welchem sich gleichfalls Niederlagen befinden;


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Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 339. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/345&oldid=- (Version vom 11.5.2019)