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weniger rentirte als die übrigen, und dieses ließ denn endlich den Entschluß entstehen, das Farbenwerk ganz aufzuheben und mit dem Pfannenstieler zu einem doppelten Werk zu vereinigen, da Letzteres für den Betrieb die vortheilhafteste Lage hat. Im Jahre 1851 erfolgte dann auch diese längst beabsichtigte Vereinigung, das Blaufarbenwerk in Zschopenthal hatte nach einhundert und sieben und sechszigjährigem Bestehen seine Endschaft erreicht.

Die Gebäude des Werkes erstanden in demselben Jahre noch (1851). Herr Gottlob Wunderlich in Zschopau war es aber, der im Jahre 1832 unter sehr beengenden Verhältnissen, mit sehr bescheidenen Mitteln und nur allein auf eigene Kraft gestützt hier ein Fabrikgeschäft begründet und es unter vieler mühevollen Arbeit und manchem harten Kampfe mit ungünstigen Verhältnissen zum endlichen fröhlichen Aufblühen gebracht hatte. Von Jahr zu Jahr hob sich durch Umsicht und Thätigkeit des Herrn Gründers das Geschäft, bis es endlich durch Ankauf der Gebäude des Werkes Zschopenthal einen größeren Umfang gewann, denn jetzt wurde der Handweberei noch die mechanische Weberei beigesellt, die anfangs nur zwanzig Stühle zählte, jedoch in kurzen Zwischenräumen bis auf hundert Stühle herangewachsen ist.

Allerdings war da erst noch viele Mühe und Arbeit nöthig, denn Zschopenthal hat unter den Händen des neuen Besitzers gegen früher jetzt eine ganz andere Gestalt angenommen. Nach verschiedenen Neubauten, Umbauen, sowie Vergrößerungen der Gebäude und Räume mußten, um die grade hier vorhandene große und andauernde Wasserkraft der Zschopau, welche jetzt bei dreizehn Fuß Gefälle über hundert Pferdekraft beträgt, dem Betriebe dienstbar zu machen, auch weitere größere Wasserbauten unternommen werden.

Da Zschopenthal von der bereits im Bau begriffenen Chemnitz-Annaberger Eisenbahn in unmittelbarer Nähe berührt wird, auch eine Güterexpedition erhält, und später wohl sicher mit einer neuen massiven, dem starken Frachtverkehr entsprechenden Brücke über die Zschopau bedacht werden wird, so dürfte eine noch weitere industrielle Ausdehnung Zschopenthals nicht in dem Bereich der Unmöglichkeit liegen, um so weniger, als zur Fabrik noch weiteres Areal gehört, wie eine circa 11 Dresdner Scheffel große Wiese (i. J. 1860) zu einer Kunstwiese umgeschaffen, sowie ein größerer und zwei kleinere Gärten.

Die Fabrikation Zschopenthals erstreckt sich bis jetzt auf:

1) Mechanische Weberei roher baumwollener Tuche, als: Cambric, Shirting, Köper, Diagonal, Satin u.s.w., wozu hundert mechanische Webestühle, dann Treibmaschinen, Zettelmaschinen, Schlichtmaschinen und diverse kleinere Hilfsmaschinen in Betrieb sind;
2) Baumwollspinnerei mit 4000 Spindeln, mit Maschinen theils älterer, theils neuerer Construktion, als: Selfactor, Spreadingmaschinen u.s.w.; sie producirt die Woche 6000 Pfund Garn von Nr. 6–24;
3) Fertigung von Stoffen mit baumwollener Kette und rein wollenen Einschlag, als: Cassinets, Chamchilla, Velours und Doublestoffen.

Dieser letztere Fabrikationszweig liegt in den Händen der Herrn Mettler und Kretschmar in Zschopenthal und Chemnitz, als Pächter und umfaßt, da aus dem Rohmaterial die fertige Waare hervorgeht, verschiedene Manipulationen, als: Färberei, Spinnerei, Weberei und Appretur, und es sind hierbei verschiedene Maschinen thätig, als: Waschmaschinen, Spinnmaschinen, Spuhl-, Treib-, Zettel- und Schlichtmaschinen, mechanische Webestühle (darunter Musterstühle mit Wechsellade), Walkmaschinen, Scheer-, Rau- und Bürstmaschinen, Waarenpressen u.s.w.

Im Ganzen beschäftigt das Etablissement bis jetzt circa 300 Arbeiter und zwar außer dem männlichen Personal, als: Direktor, Expedienten, Werkführer, Spinnmeister, Schlichter, Bäumer, Tischler, Schlosser u.s.w., zumeist Mädchen, von denen eine geübte Arbeiterin in der Cattunweberei zwei Webemaschinen bedient.

In den beiden großen Fabrikgebäuden befinden sich acht Arbeitssäle, deren Maschinen durch zwei Wasserräder in Bewegung gesetzt werden; ein drittes Wasserrad treibt die Walken, Waschmaschinen

Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 355. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/361&oldid=- (Version vom 11.5.2019)