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Die Lagerbierbrauerei zu Plohn bei Lengenfeld.


Das Rittergut Plohn im Voigtlande liegt eine halbe Stunde von der Stadt Lengenfeld, zwei Stunden von Auerbach, drei Stunden von Zwickau und fünf Stunden von Plauen entfernt; seine nächste Eisenbahnstation ist Reichenbach, welches in 1½ Stunden zu erreichen ist.

Plohn ist vielleicht der Stammort eines alten nicht mehr existirenden Adelsgeschlechts, denn 1143 kommt ein Ritter Meinhelm von der Plohn vor; späterhin kam es an die Familie von Metzsch auf Mylau, welche es vom fünfzehnten Jahrhundert (1468 Besitzer Hanns und Konrad von Metzsch), bis nach 1650 besaß, und in der letzten Zeit wurde das Gut in den oberen und unteren Theil getheilt. Von dieser Familie kam es an die Edlen von der Planitz, von denen es später im Besitz der Familie Adler gelangte.

Das Rittergut Plohn hatte von jeher eine Brauerei, doch war diese von sehr kleinem Umfange, bis sie in den vierziger Jahren durch Anlage eines Felsenkellers und fast neuer Betriebsräume wesentlich vergrößert wurde. Von dieser Zeit hob sich die Brauerei immer mehr, der Absatz des Bieres vermehrte sich, sodaß bald die bisherigen Räumlichkeiten nicht mehr ausreichten und namentlich in den Jahren 1856 und 1857 immer mehr die Nothwendigkeit sich herausstellte, eine neue Brauerei auf roher Wurzel zu erbauen. Demnach begann man am 25. Februar 1858 mit dem Grundgraben und schon im Winter 1858–1859 konnten gegen 2000 Eimer Lagerbier gebraut werden, wenn auch in erst halbvollendeten Baulichkeiten. Im Herbst 1859 war endlich der Bau bis auf einige Maschinen glücklich vollendet.

Die Brauerei liegt dem Rittergut gegenüber hart an dem Dorfe Plohn nach Westen und bildet ein Gehöfte für sich, welches von drei Seiten geschlossen, auf der vierten aber, nach Südost, offen ist. Jeder der beiden Flügel ist acht und achtzig Ellen lang, der linke Flügel acht, der rechte acht und zwanzig Ellen tief. In Letzterem sind die Räume für die Brauerei und die Braumeisterwohnung, und unter dem ganzen Flügel Lagerkeller angebracht, so daß zwei Etagen Keller übereinander sich befinden, von denen die untersten siebenzehn Ellen und die obersten sieben Ellen unter der Oberfläche der Erde liegen und in zwei Vorkeller, acht Hauptteller und zwei Eisgruben eingetheilt sind; Letztere liegen jedoch außerhalb des Gebäudes.

Im Flügel links befinden sich der Gefäßschuppen und die Räume der mit der Brauerei verbundenen Gasthofsgerechtigkeit, wozu auch noch ein Theil von dem zwei und siebenzig Ellen langen und achtzehn Ellen tiefen Verbindungsgebäude benutzt wird.

In diesem Verbindungsgebäude ist von der Durchfahrt rechts die Böttcherwerkstatt und die doppelte oder belgische Malzdarre angebracht, welche in den untersten Räumen durch Luftheizung erwärmt wird. Unter diesem Gebäude ist in einer Tiefe von sieben Ellen die Malztenne von einhundert zwanzig Ellen Länge und fünfzehn und eine halbe Elle Weite ohne alle Pfeiler eingebaut und mit Solenhofer Steinplatten belegt.

Die oberen Räume sämmtlicher Gebäude sind zu Lagern von Gerste, Malz und Hopfen bestimmt, und enthalten außer dem Sackstuhl zum Aufziehen des Malzes von der Tenne auf die Darre noch eine Getraidesortir-, eine Entkeimungs- und eine Schrotmaschine, sowie einen Transporteur und mehrere Elivators, welche nebst allen Wasser-, Würz- und Maischpumpen von einer achtpferdigen Dampfmaschine mit liegendem Cylinder in Bewegung gesetzt werden.

Außerhalb des vorstehend beschriebenen Gehöftes befinden sich noch ein Gewächshaus, zu der neben dem Gasthofe angelegten Gärtnerei ein Stall, mehrere Scheuerschuppen, ein Pichhaus, indem auf dem Gute selbst gewonnenes Fichtenpech verwendet wird, und noch ein großes Eishaus.

Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 359. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/365&oldid=- (Version vom 11.5.2019)