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welche zum größten Theil ihren Absatz im Zollverein, zunächst aber auf den Messen in Leipzig und Frankfurt an der Oder finden.

Als Treibkraft ist eine Dampfmaschine von dreißig Pferdekraft aufgestellt.

Das in dem Etablissement fortwährend beschäftigte Personal besteht aus:

drei Comptoiristen,
zwei Expedienten,
einem Maschinisten und
sechshundert Fabrikarbeitern.

Das Geschäft wurde von dem gegenwärtigen alleinigen Besitzer Herrn Heinrich Robert Marx im Jahre 1843 mit ganz geringer Unterstützung als bloses Ein- und Verkaufsgeschäft von in hiesiger Gegend erzeugten Baumwollenwaaren gegründet. Die bei einem solchen Geschäft nicht zu vermeidenden Unregelmäßigkeiten ließen jedoch bald die Begründung eigener Fabrikation als nothwendig erscheinen und es wurde denn auch mit nur wenigen Mitteln und im kleinsten Umfange im Jahre 1844 damit begonnen. Vorsichtige und glückliche Dispositionen ermöglichten die allmälige Erweiterung dieser Fabrikation und endlich auch im Jahre 1845 den Ankauf eines Grundstückes, dem im Laufe der Jahre noch einige hinzugefügt werden konnten.

Der von dem Gründer mit besonderer Vorliebe gehegte Plan, die bisher nur außerhalb des Hauses betriebene Weberei in ein geschlossenes Etablissement zu concentriren, erhielt im Jahre 1857 einen Anfang seiner Realisation durch den Bau eines Webereigebäudes für Handweberei auf Regulatorstühlen. Allein die mit einer solchen Einrichtung verknüpften Schwierigkeiten, namentlich aber der Widerwille der Weber gegen die Arbeit unter specieller Aufsicht, ließen es bald klar werden, daß auf diesem Wege das Gewünschte nicht zu erreichen sei, und daß dieses in mancher Beziehung nur durch Bildung einer gewissen Unabhängigkeit den Webern gegenüber erreicht werden könnte.

Dieses ließ nun wieder die Idee der Anwendung einer Elementarkraft aufkommen, und im Jahre 1860 wurde der Entschluß für Einrichtung einer mechanischen Weberei mit Dampfbetrieb gefaßt, dessen Verwirklichung in demselben Jahre noch durch den Beginn der für diese Einrichtung nöthigen Bauten bethätigt ward.

Seit dem Frühjahre 1862 ist nun auch ein Theil der mechanischen Weberei mit den nöthigen Vorbereitungsmaschinen, sowie die Zwirnerei und die nach den neuesten Erfahrungen eingerichtete Färberei in Betrieb gekommen und soll die Vollendung des Etablissements ebenfalls bald erfolgen.



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Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 363. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/369&oldid=- (Version vom 3.6.2018)