Seite:Album der Sächsischen Industrie Band 2.pdf/40

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Die beiden vereinigten Eisenwerke Arnolds- und Schmerzings-, auch Rothenhammer genannt, zu Rittersgrün.

Die Werke liegen in dem Dorfe Rittersgrün, drei Viertelstunden von Erla, ebensoweit von Groß-Pöhla und eine und eine halbe Stunde von Schwarzenberg entfernt, von mächtigen Bergen und Nadelholzwaldungen umschlossen. Die herrschaftlichen Gebäude, mit Garten, Feldern und Wiesen, liegen mit ihren Werken theils am rechten, theils am linken Ufer der Pöhla, an der von Schwarzenberg über Raschau, Groß-Pöhla, Tellerhäuser nach Gottesgab und Wiesenthal führenden Straße. Das Thal, in welchem Rittersgrün fast eine und eine halbe Stunde lang sich hinzieht, gehört zu den romantischsten, das Kaffgebirge, der Bielefels, das Haueisen, der Ochsenkopf, der Altenberg, der Klötzerwald, die hintere und vordere Kohlung, der Forstwald und der Härtensberg umschließen es und an mehreren Stellen steigen thurmhohe, den Einsturz drohende Gneus- und Glimmerschiefermassen empor.

Zu diesen vereinigten Eisenwerken gehören 145 Acker Garten, Feld, Wiesen und Wald.

Die Nagelfabrik in Dorf Mittweida

liegt in dem genannten Ort, dicht an dem Bache, die Mittweida, links an das Dorf Raschau, rechts an das Dorf Markersbach grenzend und von Schwarzenberg fünf Viertelstunden, von Scheibenberg drei Viertelstunden entfernt. Herr Breitfeld besitzt jedoch nur die Fabrik allein, das Grundstück, auf welchem die Fabrication betrieben wird, ist Eigenthum des Herrn Gustav Jahn in Dessau. Es gehören hierzu noch über dreizehn Acker Garten, Wiese, Teich und Feld.

Die vorgenannten Werke gehören sämmtlich zu dem königlichen Gerichtsamt Schwarzenberg; die Eisenwerke Erla und Rittersgrün hatten früher eigene Gerichte.

Das Eisenwerk Erla besteht, mit Ausschluß der auf dessen Grund und Boden errichteten Gebäude der Eisensteingruben am Rothenberg, aus

sieben und zwanzig Haupt- und Nebengebäuden,

und sind darunter die vorzüglichsten

a) das Hochofengebäude, enthaltend einen Hochofen zur Holzkohlen-Roheisenfabrikation, drei Cupolöfen, durch Centrifugalgebläse betrieben, einen Messingschmelzofen, große, vollkommen und vortheilhaftest eingerichtete Gießereiräumlichkeiten, mit den nöthigen Kranen und einer tiefen und weiten Dammgrube, verbunden mit entsprechenden Dorrkammern und Putzstuben;
b) angebaut an das Hochofengebäude sind noch: ein Expeditionszimmer, eine Niederlage für Roh- und Brucheisen, ein Eisensteinpochwerk, ein Gichthaus mit einem durch ein Wasserrad betriebenen Gichtaufzug;
c) ein Gebläsehaus, enthaltend ein durchgängig eisernes Cylindergebläse mit drei Cylindern, welches durch ein siebzehn Fuß hohes Wasserrad bewegt und zum Betrieb sowohl des Hochofens, als auch eines Frischfeuers und zweier Stahlfeuer dient;
d) ein großes 208 Fuß langes massives Kohlhaus, zur Aufbewahrung der Holzkohlen-Coaks- und Torfvorräthe;
e) ein 162 Fuß langes, übersetztes, durchaus massives Fabrikgebäude, in welchem ein Schlacken- und ein Trocken-Pochwerk, Walzendreherei mit zwei großen Drehbänken, die Werkschlosserei und Tischlerei, nebst Modelleurwerkstatt, ein großes Gußeisengewölbe und sehr umfängliche Bodenräume zur Aufbewahrung der Modelle, so wie endlich ein Familienlogis für den Modelleur sich befindet; die Pochwerke, Drehbänke, die zu den Schlosserei- und Drehereifeuern nöthigen Gebläse und sonstige Maschinen werden mittelst zweier gußeiserner, achtzehn Fuß hoher oberschlägigen Wasserrädern betrieben;

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Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 34. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/40&oldid=- (Version vom 9.3.2019)