Seite:Album der Sächsischen Industrie Band 2.pdf/49

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anderen Zweigen der Industrie, bis zu Anfang dieses Jahrhunderts nur sehr einfach; der Betrieb beschränkte sich bis dahin auf die Anfertigung von geschmiedetem Stab- und Reifeisen und geschmiedetem Schwarzblech, welches zum Theil verzinnt und selbst bis an die Gränzen Frankreichs verfrachtet wurde.

Zu den frühesten Besitzern der genannten Eisenwerke sind die Glieder des einst so mächtigen Geschlechts der Berkas von der Duba zu zählen, von denen sie 1430 an Wilhelm von Boskowitz und 1434 an das Geschlecht von Tettau kamen, denen überhaupt diese ganze Gegend gehörte; als erster Besitzer aus diesem Geschlecht wird Apel von Tettau genannt.

Erla wurde 1517 von Georg Wilhelm von Tettau, damaligem Besitzer der Herrschaft Schwarzenberg, an Oswald Flemming verkauft und es scheint in der Flemmingschen Familie lange Jahre geblieben zu sein. Um Anfang des dreißigjährigen Krieges war Besitzer eine Familie Schürer. 1750 gehörte Erla dem Bergcommissionsrath Reinhold, welcher es in den siebenziger Jahren an die Gebrüder Reiboldt verkaufte, denen das Werk einen bedeutenden Aufschwung verdankte; schon 1780 lieferten sie einen guten Stahl, wofür sie von der Landesregierung Prämien erhielten. Die Reiboldts besaßen auch ein weit berühmtes Mineralienkabinet. Zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts kam der Bergcommissionsrath Nitzsche in den Besitz von Erla und dieses hieß von nun an Nitzscheshammer. Der neue Besitzer war ein strebsamer Mann, welcher in den Jahren 1816 bis 20 eine Eisengießerei einrichtete, und sich bemühte, den Betrieb des Werkes durch Erbauung eines nach damaligen Begriffen umfänglichen Hohofens und eines Tischlerei- und Schlossereigebäudes zu heben. Indessen blieb, wie auf den übrigen Werken, auch in Erla die Gußeisenproduction aus dem Grunde nur eine äußerst beschränkte, weil der Hohofen stets nur in den Sommermonaten betrieben wurde und mit dessen zeitweiliger Sistirung auch die Gießerei aufhörte. Die Blechfabrication mußte gänzlich aufgegeben werden, da mit Einführung der Walzwerke das geschmiedete Blech nicht mehr gesucht war, und es bei seiner kostspieligen Erzeugungsmethode mit dem gewalzten Blech auch nicht mehr concurriren konnte.

Rittersgrün war ebenfalls eine Besitzung der Familie von Tettau und wurde 1533, sowie die ganze Herrschaft Schwarzenberg, „mit allen Hammerwerken“ von den Gebrüdern von Tettau an den Kurfürsten Johann Friedrich den Großmüthigen verkauft.

Am 20. Juli 1584 erhielt Nicolaus Klinger zu Elterlein Concession zur Anlegung eines Hammerwerks in Oberrittersgrün, welches später in Besitz einer Familie Escher kam und zeitig einging; aus dem Hammerhause entstand dann die Kirche, welche 1693 geweiht wurde. – Die Familie Schmerzing scheint um Mitte des siebenzehnten Jahrhunderts in Besitz des Hammerwerks gekommen zu sein, welches heute noch ihren Namen führt. Erster Besitzer war Rudolph von Schmerzing. Hannibal von Schmerzinger, Oberstwachtmeister bei den Ritterpferden des Defensionerwerks, erhielt 1670 die Erbgerichte über sein Hammerwerk und die von ihm erbauten siebzehn Häuser. Später kamen der Schmerzingshammer und der Arnoldshammer in Besitz der Familie von Elterlein auf Rittersgrün und Groß-Pöhla; die beiden Werke wurden nun vereinigt und später legten die Gebrüder von Elterlein eine Eisengießerei an, welche aber unter denselben Ursachen wie die in Erla zu leiden hatte und deshalb nie in flotten Betrieb kommen konnte.

Das Hammerwerk Groß-Pöhla war im siebzehnten Jahrhundert im Besitz der Familie Siegel, von welcher es bis heute den Namen Siegelhof geführt hat; später kam es ebenfalls an die Herren von Elterlein.

Im Laufe der Jahre 1834 bis 1836 wurden die vorgenannten Werke von Herrn Carl Gotthilf Nestler in Wittigsthal und dessen Schwiegersohn, Herrn Eduard Wilhelm Breitfeld in Erla acquirirt und unter der Firma Nestler und Breitfeld für gemeinschaftliche Rechnung betrieben.

Wie der Erfolg ihrer Bestrebungen bewiesen, war es hauptsächlich Aufgabe der letztgenannten Besitzer, soweit dies nur immer möglich, die gleichen Branchen, namentlich den Hohofenbetrieb, zu consolidiren und dadurch den Betrieb zu vereinfachen, die Production durch zeitgemäße Umgestaltung und zweckmäßige Einrichtungen zu erweitern und zu heben, sowie durch Aufsuchung und Ankauf mächtiger und vorzüglicher

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Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 43. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/49&oldid=- (Version vom 9.3.2019)