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f) der 1852 bis 54 neuerbaute Hohofen nebst Poch- und Gichthaus,
g) das 1856 und 57 erbaute Fabrikgebäude neben dem Hohofen, und besonders
h) die kostspielige und mühevolle Regulirung und zum Theil gänzlich neue Anlegung fast aller Wasserzuführungsgräben, vermöge derer den verschiedenen Etablissements selbst bei wasserarmen Zeiten ein ununterbrochener Betrieb gesichert ist.

Mitte 1856 schied nach getroffenem freundschaftlichem Uebereinkommen Herr Nestler aus und sämmtliche Etablissements kamen in alleinigen Besitz des Herrn Breitfeld, der zum ehrenden Andenken seines Schwiegervaters aber die bis dahin bestandene Firma Nestler und Breitfeld beibehalten hat.

Die zu den genannten Etablissements gehörenden verschiedenen Gruben sind – wie bereits angedeutet – geeignet, noch weit größere Quantitäten Eisenstein von besonders guter Qualität und Reichhaltigkeit zu liefern, als zur Zeit verbraucht werden kann, und berücksichtigt man, daß besonders das Eisenwerk Erla durch Zuführung der Zwickau-Schwarzenberger Eisenbahn namhafte Vortheile gewonnen hat, so darf wohl mit Recht gehofft werden, daß dasselbe im Verein mit Rittersgrün und Groß-Pöhla mit der Zeit eine noch weit größere, den vorhandenen günstigen Verhältnissen entsprechende Ausdehnung gewinnen werde.

Herr Breitfeld selbst hat seinen wesentlichen Aufenthalt in Erla; hier befindet sich auch das Hauptcomptoir, von dem aus alle Geschäfte geleitet, eingehende Aufträge an die verschiedenen Werke ertheilt und alle nöthigen Dispositionen getroffen werden.




Das Eisenwerk Wittigsthal.


Am Fuße des steilen Stadtberges oder vorderen Fastenberges, welcher auf seiner Höhe die Stadt Johanngeorgenstadt trägt, dicht an der böhmischen Grenze und zwischen den Flüßchen Schwarzwasser und Breitenbach, liegt in weitem Thalkessel das Eisenwerk Wittigsthal, von Schwarzenberg drei und eine halbe Stunde, von Eibenstock drei Stunden und von Platten, dem nächsten böhmischen Städtchen, eine Stunde entfernt. Der Ort und seine nächste Umgebung zeigen fortwährend viel Leben und Regsamkeit.

Das Etablissement besteht aus fünfundzwanzig Haupt- und Nebengebäuden, und von diesen sind die vorzüglichsten

a) das Herrenhaus mit den nöthigen Wirthschaftsgebäuden, die zusammen einen geschlossenen Hof bilden;
b) eine große mit Blech gedeckte Frischhütte mit drei französischen Frischfeuern;
c) der Hohofen mit Cylindergebläse und mit Gicht-, Poch- und Putzhaus;
d) das Blechwalzwerk mit zwei Walzenstraßen;
e) das Kohlhaus;
f) die Hufschmiede;
g) die Bierbrauerei mit den nöthigen Kellern;
h) die Bretmühle;
i) das Gasthaus mit Scheune und Stallung und
k) drei Pachtgüter mit den nöthigen Wirthschaftsgebäuden.

Hierzu gehören noch circa vierhundert Scheffel Areal, in Garten, Wiesen, Feldern und Waldung, welche theils auf sächsischer, theils auf böhmischer Seite liegen.

Die hier vertretenen Branchen sind die Reif-, Stab-, Zaineisen- und Blechfabrication, der Bretmühlen-, Bierbrauerei- und Oeconomie-Betrieb.


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Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 45. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/51&oldid=3080742 (Version vom 17.1.2018)