Seite:Album der Sächsischen Industrie Band 2.pdf/71

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ungefähr so verhält, wie die hellglänzende Mittagssonne gegen ein trübes umschleiertes Mondenlicht. Unsere Zeit ist aber die Zeit der Lichtfreunde, sie will die Nacht in Tag verwandeln, will Licht, recht viel Licht und ununterbrochen sinnt sie darauf, die Leuchtkraft des Gases zu erhöhen und auch andere künstliche Beleuchtungsarten aufzufinden. Man geht in unserer Zeit von dem Princip aus, des Menschen Leben sei zu kurz, um seinen Zweck ganz zu erfüllen, um es im vollen Umfang zu genießen und versucht ein Stück Lebensverlängerungskunst, indem man die Nacht nach Möglichkeit verbannt. Je mehr Licht, je mehr Leben!

Zur Geschichte des Gases.

Daß das Gas erfunden sei, kann man füglich nicht sagen, denn es war stets in der Natur vorhanden, und wann es entdeckt wurde, ist gänzlich unbekannt. Bemerkt wurde das Gas und seine Leuchtkraft – wenn auch ohne Erkenntniß des wahren Wesens – seit die Menschen den Erscheinungen der Natur einige Aufmerksamkeit zuwendeten, beobachtet seit man begann, sich mit Chemie zu beschäftigen, und namentlich den alten Alchymisten kann es kaum entgangen sein, daß bei ihren Arbeiten Gase sich entwickelten und in der Luft entzündeten. Hätten diese in ihren räucherigen Küchen vertrockneten Alchymisten, statt ihren unfruchtbaren Träumen vom Stein der Weisen und von der Goldkocherei nachzuhängen, diesen Erscheinungen mehr Beachtung geschenkt und sie verfolgt, so würden sie wohl deren wahren Werth endlich erkannt haben und man hätte vielleicht schon vor Jahrhunderten Gasbeleuchtung, wenn auch nur theilweise und nicht auf dem heutigen Standpunkt, gehabt; allein sie suchten eben nicht Licht, sondern Gold. – Auch in dieser Beziehung ist es jetzt bei uns ganz anders, denn unsere Chemiker suchen zwar auch Gold, wollen es aber nicht unmittelbar aus dem Schmelztiegel herstellen, sondern suchen, indem sie nützliche Erfindungen machen, sich eine reiche Goldquelle zu öffnen; vielen ist dieses auch weit besser gelungen, als allen den leeren Phantomen nachjagenden Alchymisten. In unserer Zeit wird selbst der kleinste und noch so unbedeutend scheinende Gegenstand untersucht, ob er nutzt, oder nutzbar zu machen ist.

Im vorigen Jahrhundert wurde es schon häufig zur Sprache gebracht, daß es vortheilhaft sein müsse, das bei der Verkohlung von Brennmaterialen verloren gehende Wasserstoffgas weiter zu benutzen. Man fing an, diesem Gegenstand Aufmerksamkeit zuzuwenden. Die erste Nachricht von dem Gaslicht gab 1739 ein englischer Geistlicher Namens Clayton, der sich wohl mehr mit Chemie und Physik, als mit Theologie beschäftigte. Um die verschiedenen Bestandtheile der Steinkohlen chemisch zu untersuchen, setzte er eine Parthie dieser Kohlen in einer langhalsigen Retorte dem offenen Feuer aus. Aus dem Halse der Retorte ging in das vorgelegte Gefäß zuerst eine Flüssigkeit über, dann ein schwarzes Oel. Zuletzt bildeten sich Dämpfe, die sich nicht condensiren oder in tropfbaren Zustand bringen ließen, aber so gewaltige Kraft entwickelten, daß sie die Retorte endlich sprengten und entwichen; bei dem Entweichen entzündeten sie sich und verbreiteten ein auffallend hellstrahlendes Licht. Nun setzte Clayton seine Versuche fort und kam endlich auf die Idee, an den Hals der Retorte ein feines Mundstück anzufügen, durch welches die entwickelten Dämpfe langsam entwichen und bei Annäherung an die Flamme sich entzündeten. Die Flämmchen konnten nach Belieben ausgeblasen und wieder angezündet werden. Clayton fing dann die Dämpfe in Blasen auf, und fand, daß sie auf diese Weise lange Zeit aufbewahrt werden konnten, ohne daß ihre Brennkraft verloren ging. – Somit war das Gaslicht entdeckt, ohne indeß lange Zeit zu etwas Anderem benutzt zu werden, als zu chemisch-physikalischen Spielereien; von der eigentlichen Wichtigkeit der Entdeckung schien Niemand eine Ahnung zu haben und deshalb dachte auch Niemand an deren praktische Verwerthung.

Erst 1798, durch die Lebonschen Versuche – von denen wir später sprechen werden – aufmerksam gemacht, kam Murdoch in Redruth in Cornwallis auf die Idee, das Gas zur Beleuchtung im Großen zu verwenden. Er bereitete aus Torf und Steinkohlen Gas und wurde dabei durch Bulton, den Besitzer der Eisenwerke von Soho bei Birmingham, unterstützt. Bulton (geb. 1728 in Birmingham, gest.

Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 65. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/71&oldid=- (Version vom 9.3.2019)