Seite:Album der Sächsischen Industrie Band 2.pdf/93

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Immobiliarkasse 70,700 und aus der Mobiliarkasse 30,000 Thaler Entschädigung. Auch von Seiten der Landesregierung erfolgte sehr bedeutende Unterstützung. Auf Bitte und Vorstellung der Justizbeamten erhielten die abgebrannten Weber eine beträchtliche Summe geschenkt, mit der Bedingung, dafür neue Webestühle, Garne und andere Zuthaten anzuschaffen. Auch den Verlegern und Kaufleuten machte die Regierung bedeutende Vorschüsse, damit sie den Abgebrannten Arbeit geben, sich wieder anbauen und Handel und Gewerbe aufs neue lebhaft betreiben konnten. So kam, fast unmittelbar nach dem Brande, Alles wieder in Thätigkeit; kein Abgebrannter ging betteln, keiner legte sich aufs Nichtsthun; Jeder verdoppelte Betriebsamkeit und Fleiß und so blühte die Stadt in neuer Wohlhabenheit aus ihrem Schutte bald wieder empor.

Um das Jahr 1800 begann in Frankenberg die Baumwollenmanufaktur und die Kattundruckerei zu blühen und beide Industriezweige hoben sich seit dieser Zeit immer mehr; so wurden z. B. in dem Jahre 1801 von Ostern bis Michaelis 12,000 Stück mehr verfertigt, als in derselben Zeit vom Jahre 1800, und 1802 wieder 4000 Stück mehr, als 1801. Die Etablissements von C. F. Böhme, Ranft und Ehrenberg machten sich um diesen Aufschwung vorzüglich verdient. 1804 gab es hier schon sieben bedeutende Kattundruckereien, in denen auf 150 Tischen gedruckt und über 500 Menschen beschäftigt wurden; allein auch diese Kattundruckereien vergrößerten und vermehrten sich mit der Zeit und es waren 1826 bereits neun im Gange. Um ein deutlicheres Bild dieses Aufschwungs zu geben, bemerken wir, daß noch 1790 kaum 5000 Stück gedruckt wurden, allein schon 1799 stieg diese Zahl auf 42,000, im Jahre 1802 auf 45,000 und 1804 auf 50,000 Stück.

Die Zahl der Weber belief sich im Jahre 1805 auf 500 Meister, die auf 700 Stühlen arbeiteten und 50,000 Stück verfertigten. – Um diese Zeit zeichnete sich auch die Corduanmanufactur von Wagner aus, welche alle Sorten Leder lieferte, die an Güte fast den englischen gleichkamen.

Gegenwärtig ist die Hauptbeschäftigung Frankenbergs die Baumwollenweberei, zum Theil auch Kunstweberei, und die Kattundruckerei, auch die Seidenfabrikation ist würdig vertreten, sowie auch die Cigarrenfabrikation mit Erfolg betrieben wird. Unter den Fabrikanten von Manufacturwaaren in Baum- und Halbwolle erwähnen wir als vorzüglich bedeutend die Firmen Dähne und Harlan[WS 1], Schiebler u. Co. und Louis Schmidt u. Co.; unter den Kattunfabrikanten die Firmen Uhlemann und Lantzsch, Johannes Klein (eigentlich in Gunnersdorf), J. M. Müllers Erben, C. F. Schmidt Söhne (welche auch in Löbau ein Etablissement besitzen) und C. F. Schubert. Ferner besteht hier die Seidenwaarenfabrik von Behr und Schubert, ebenso sind zwei Cigarrenfabriken hier, von Hunger u. Jacob, und Richter u. Schink. – Ueber mehrere dieser Etablissements werden wir ausführlicher zu sprechen Gelegenheit haben.

Noch sagen wir einige Worte über den Bergbau Frankenbergs. Derselbe wurde frühzeitig von der Commun auf Silber und Kupfer betrieben, war aber nie bedeutend, der Abbau geschah fast immer nur auf Hoffnung. Gleichwohl erhielt die Stadt im Jahre 1683 die Bergfreiheit und führte dann eine Reihe Jahre den Titel als Bergstadt. Hauptsächlich wurde an dem Trappenauer bei Sachsenburg gebaut, wo der Bergbau durch die schon erwähnten Gebrüder Franke lebhaft begonnen wurde, als der von Mittweida einging. Auch in dem Biensdorfer Gebirge wurde gebaut. Im Trappenauer hatte man so viel Teufe gewältigt, daß, in Ermangelung zweckmäßiger Maschinen, nur allein 250 Mann mit Entfernung des Grubenwassers zu thun hatten. Das Silbererz brach besonders in weißem Quarz, das Kupfer aber in schwarzem und grauem Schiefer; auch war die Ausbeute an Ocher nicht unbedeutend. Auch etwas Vitriol wurde gefunden. Doch hat die Ergiebigkeit dieser Grube jedenfalls nicht lange gedauert, denn schon Albinus in seiner meißnischen Bergchronik (Dresden 1586) sagt: „Trapenawer, ein sehr alt Silber und Kupffer Bergwerk, ist vor viel Jahren wieder ligent blieben.“

Im Jahre 1708 teufte man den „neuen Segen Gottes-Schacht“ auf den Stadtfluren ab, gab denselben aber bald wieder auf, und nahm wieder den Trappenauer nebst der „Ehre Gottes“ und der „Hülfe Gottes“ zu Mühlbach vor, welche jedoch zu viel festes Gestein und zu viel Wasser enthielten. Später

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Harlau
Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 87. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/93&oldid=- (Version vom 9.3.2019)