Wenn's endlich ruht im Sarge, schandebaar.
Nur ein Moment noch wo er stand und sann,
Und einen Eid ließ er mich schwören dann,
Des Räubers Fluch, daß, sinne ich Verrath,
Geschick mich treiben soll' zu gleicher That,
Und diese Höhle sey mein letzter Rath;
Ich soll' den Wald mich drin zu bergen suchen,
Den Menschen nahn, damit sie mich verfluchen,
Am schrecklichsten mir sey der Heimath Licht,
Und tödtend meiner Mutter Angesicht. –
Matt war sein Ton, das Ende hört' ich nicht.
Und fort nun, fort! Was ward aus jener Frau?
Sie ruhte jetzt, gleich Schlummernden genau,
Das Haupt im Schooß, mehr ist mir nicht bewußt,
Die Eil den Athem schnürte in der Brust;
Und fort nun, fort! Geblendet wie zuvor,
Durch manche Krümmung ging's und manch ein Thor;
Voran der Jüngling zog in Hast mich nach,
Einmal nur Bretterwand uns schien zu scheiden,
Von Gläserklang und ausgelaß'nen Freuden.
War etwas minder tobend das Gelag,
Ich hätte wohl verstanden was man sprach.
Hier war von einem Quell der Weg durchschnitten,
Geräusch zu meiden wir behutsam schritten;
Und nun hinauf, die Hand dort angeklemmt,
Den Kopf gebückt, und hier den Fuß gestemmt.
Die Mauern bröckeln, rieseln uns entgegen;
Wir rutschen lang’, oft an den Grund uns legen,
Mein letzter Griff in Kräuter war und Gras.
Annette von Droste-Hülshoff: Des Arztes Vermächtniß. J. G. Cotta, Stuttgart; Tübingen 1844, Seite 476. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Anette_von_Droste-H%C3%BClshoff_-_Des_Arztes_Verm%C3%A4chtnis.pdf/20&oldid=- (Version vom 8.7.2025)