Seite:Anklageschrift gegen Hans Scholl, Sophie Scholl und Christoph Probst.pdf/5

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lenken. Indes strömten aber im Osten die Armeen unaufhörlich zurück, werde im Westen die Invasion erwartet und übertreffe die Rüstung Amerikas alles in der Geschichte seither Dagewesene. Hitler könne den Krieg nicht gewinnen, sondern nur noch verlängern. Das deutsche Volk, das blindlings seinen Verführern ins Verderben gefolgt sei, müsse sich jetzt von dem nationalsozialistischen Untermenschentum trennen und durch die Tat beweisen, dass es anders denke. Der nationalsozialistischen Propaganda, die dem Volke den Bolschewistenschreck in die Glieder gejagt habe, dürfe man nicht glauben, und nicht glauben, dass Deutschland mit dem Sieg des Nationalsozialismus auf Gedeih und Verderb verbunden sei.
 
Das zweite Flugblatt führt in Bezug auf den Kampf der 6. Armee in Stalingrad aus, es gäre im deutschen Volke, ob es weiter einem Dilettanten das Schicksal unserer Armeen anvertrauen wolle. Von den Studentinnen und Studenten, auf die das deutsche Volk sehe, werde die Brechung des nationalsozialistischen Terrors aus der Macht des Geistes erwartet.
 
 

III.

 
1. Der Angeschuldigte Hans Scholl hatte sich bereits seit langem Gedanken über die politische Lage gemacht. Er war dabei zu der Überzeugung gekommen, dass ebenso wie 1918 auch nach der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus nicht so sehr die Masse des deutschen Volkes, sondern gerade die Intelligenz politisch versagt habe. Nur aus diesem Grunde, so meinte er, hätten Massenbewegungen mit ihren einfachen Parolen jede tiefere Gedankenarbeit übertönen können. Er empfand es daher als seine Pflicht, die Intelligenz des Bürgertums auf ihre staatspolitischen Pflichten hinzuweisen, worunter er den Kampf gegen den Nationalsozialismus verstand. Er entschloss sich daher zur Herstellung und Verbreitung von Flugblättern, die seine Gedanken unter die breiten Massen tragen sollten. Er kaufte sich einen Vervielfältigungsapparat und verschaffte sich mit Hilfe eines Freundes Alexander Schmorell, mit dem er sich oft über seine politischen Gedanken unterhalten hatte, eine Schreibmaschine. Er entwarf dann das erste Flugblatt der „Weissen Rose“, stellte