Seite:Anmerkungen übers Theater.pdf/109

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Dum. Schlank wie eine Zeder

Bir. Krumm, sag ich, wie ein Fiddelbogen.

Dum. O hätt ich meinen Wunsch!

Long. Und ich meinen.

König. Und ich meinen.

Bir. Amen und ich meinen! das war das erste gescheidte Wort, das er sprach.

Dum. Ich wollte sie gern vergessen, aber sie herrscht wie ein Fieber in meinem Blute.

Bir. Laß sie heraus, laß dich zur Ader.

Dum. Ich will doch die Ode noch einmal durchgehn, die ich für sie aufgesetzt.

Bir. Und ich noch einmal hören, wie die Liebe den Witz verwirrt.

Dum. (liest)

Eines Tags – verhaßter Tag!
In dem Mond, wo Zärtlichkeiten
Mit den Rosen sich verbreiten,
Da entdeckt ich, heller als den Tag,
Eine Rose voll Vollkommenheiten,
Die dem Zefir offen lag.
Durch die seidnen Blätter macht
Er sich Bahn in rothe Nacht.
Wünschend stand ich, sah ihm zu,
Wär ich, ach! von Luft wie du.
Dürfte so mit vollen Backen
Ihre schönen Wangen packen.
Und sie küssen dreist wie du.

Empfohlene Zitierweise:
Jakob Michael Reinhold Lenz: Anmerkungen übers Theater. Weygandsche Buchhandlung, Leipzig 1774, Seite 109. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Anmerkungen_%C3%BCbers_Theater.pdf/109&oldid=- (Version vom 31.7.2018)