Seite:Anmerkungen übers Theater.pdf/110

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Aber weh! ein Schwur hält mich zurücke,
Daß ich, Göttin, dich aus Dornen pflücke:
Welch ein Schwur für heißes Blut
Von der allerreinsten Glut!
Nenn es, Schönste! kein Verbrechen
Den Tyranneneid zu brechen.
Ach um deinetwillen schwür
Jupiter sein Weib zum Mohren,
Seine Tochter ungebohren.
Und sich selbst zu einem Stier.

Ich muß ihr dann noch eins schicken, das minder gelehrt ist und meine Sehnsucht mit wenigerm Umschweife ausdrückt. Wäre doch der König und seine zwey Magister Zugaben zu meinem bösen Exempel, daß ich nicht allein gebrandmarkt da stünde. Im Lande der Hinkenden ist Hinken keine Sünde.

Long. Deine Liebe hat wenig von der Christlichen an sich. (geht hervor.) Ihr erblaßt, Ritter! ich würde erröthen wenn man mich so ertappt hätte.

König. (geht hervor.) Wohlan, so erröthe dann! du hasts eben so viel Ursache ja vielmehr du bist doppelt so strafbar, da du den Schein der Gerechtigkeit vor dir trägst. Nein, Longaville machte kein Sonnet auf Marien, er legte seine Arme nicht kreuzweis über den Busen, um sein Herz

Empfohlene Zitierweise:
Jakob Michael Reinhold Lenz: Anmerkungen übers Theater. Weygandsche Buchhandlung, Leipzig 1774, Seite 110. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Anmerkungen_%C3%BCbers_Theater.pdf/110&oldid=- (Version vom 31.7.2018)