Seite:Anmerkungen übers Theater.pdf/118

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verschwor? Könnt ihr in eins weg träumen, grübeln, und auf einen Fleck hinstarren? Und wenn ihrs könntet, wer allein kann euch den Vorzug der Wissenschaften schmackhaft machen, ohne die Beyhülfe weiblicher Schönheit? Ha! nur die Augen des Frauenzimmers, ewig werd ich dabey bleiben, sind das Buch, die Akademie, der Altar, wo das ächte prometheische Feuer aufbewahret wird. Unablässiges Grübeln trocknet auf, und vergiftet die behenden feinsten Lebensgeister unseres Gehirns, wie die zu lang anhaltende Arbeit die nervigte Stärke des Arbeitsmannes erschöpft. Habt ihr den Gebrauch eurer Augen verschworen, daß ihr keinem Frauenzimmer ins Gesicht sehen wollt. Blind werdet ihr werden, stumpf, abgeschmackt, wo ist ein Buch in der Welt, das euch die Schönheit lehren kann, wie das Aug einer schönen Frau! Gelehrsamkeit ist ein Zusatz zu unserm Selbst, aber die Schönheit ist ein neues Selbst, in dem wir zum zweytenmal anfangen zu leben. Ganz gewiß, ihr habt eure Bücher verschworen, als ihr die Augen des Frauenzimmers verschwurt. Wo sonst wolltet ihr mit euren bleyernen Spekulationen zu den hinreißenden Harmonieen auffliegen, die die Region der Schönheit einnehmen. Andere Künste nehmen blos das Hirn ein und lohnen ihre kalten

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Jakob Michael Reinhold Lenz: Anmerkungen übers Theater. Weygandsche Buchhandlung, Leipzig 1774, Seite 118. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Anmerkungen_%C3%BCbers_Theater.pdf/118&oldid=- (Version vom 31.7.2018)