Seite:Anmerkungen übers Theater.pdf/122

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sie waren scharfsinnig und sententiös, gefällig ohne Skurrilität, witzig ohne Affektion, kühn ohne Lizenz, gelehrt ohne Vanität, ungewöhnlich ohne Ketzerey. Ich habe dieser Tage quondam mit einem aus des Königs Gefolge gesprochen, der sich betitelte Don Adriana de Armado.

Holof. Novi hominem tanquam te. Sein Humor ist hoch auffliegend, seine Reden vermessen, seine Zunge verwegen, sein Auge hoffärtig, sein Gang prinzlich, prinzessenmäßig, und sein ganzes Betragen lächerlich, aufgeblasen und thrasonisch. Er ist so geziert, gespitzt, seltsam und wunderlich, zu seltsam, um seltsam zu seyn.

Nathan. Ein sehr auserlesenes Epitheton, Herr! (zieht seine Schreibtafel und schreibt.)

Holof. Er zieht den Faden seines Ausdrucks feiner aus, als die Wolle seiner Gedanken es aushält. Odi & arceo solche fanatische Phantasten, solche Henkersknechte aller guten Orthographie, die zum Exempel allesamt fein aussprechen, da sie doch nach der Etymologie aussprechen sollten, allesamt umarmt, wenn sie sagen sollten, umbarmt, eure Genaden, verstümmelt er in ’r gnad. Diese abominable, oder ich möchte lieber sagen, abhominable Art zu sprechen, scheint mir

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Jakob Michael Reinhold Lenz: Anmerkungen übers Theater. Weygandsche Buchhandlung, Leipzig 1774, Seite 122. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Anmerkungen_%C3%BCbers_Theater.pdf/122&oldid=- (Version vom 31.7.2018)