Seite:Anmerkungen übers Theater.pdf/157

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doch noch zweifle ob ihr das Wort kennt) was unternehmen wollt, so sey es dieß. Keinen neuen Eid, behüte der Himmel, aber reiset ungesäumt in eine abgesonderte von allen Weltzerstreuungen nackte Einsiedeley, dort bleibt bis die zwölf himmlischen Zeichen ihren Umlauf vollendet haben. Wenn dieß strenge geeinsamte Leben auch das Anerbieten das ihr mir jetzt in der Hitze eures Bluts gethan habt nicht leid macht, wenn Frost und Hunger, hartes Bett und dünne Kleider die buntfärbige Blüthe eurer Liebe nicht abstreiffen, wenn sie diese Probe aushält und noch immer Liebe bleibt, dann nach Verlauf dieses Jahres komm – und, bey dieser jungfräulichen Hand, die ich jetzt in die deinige schlage – dann will ich die Deinige seyn. Bis dahin soll mein wehmüthiges Selbst in ein Trauerhaus verschlossen, die Thränen des Wehklagens auf das Andenken meines geliebten Vaters herabregnen. Schlägst du mir aber diese Forderung ab, so reiß deine Hand los aus meiner und laß unsre Herzen sich fremde werden.

König. Wenn ich dieß und noch mehr als dieß abzuschlagen fähig wäre, so sollte die schnelle Hand des Todes lieber gleich meine Augen zudrücken. Geh also nur fort von uns, Theure – mein Herz bleibt in deiner Brust.

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Jakob Michael Reinhold Lenz: Anmerkungen übers Theater. Weygandsche Buchhandlung, Leipzig 1774, Seite 157. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Anmerkungen_%C3%BCbers_Theater.pdf/157&oldid=- (Version vom 31.7.2018)