Seite:Anmerkungen übers Theater.pdf/16

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Gegenstand zurückzuspiegeln, das ist der Knoten, die nota diacritica[WS 1] des poetischen Genies, deren es nun freilich seit Anfang der Welt mehr als sechs tausend soll gegeben haben, die aber auf Belsazers Waage vielleicht bis auf sechs, oder wie Sie wollen –

Denn – und auf dieses Denn sind Sie vielleicht schon ungeduldig, das Vermögen nachzuahmen, ist nicht das, was bey allen Thieren schon im Ansatz – nicht Mechanik – nicht Echo – nicht was es, um Othem zu sparen, bey unsern Poeten. Der wahre Dichter verbindet nicht in seiner Einbildungskraft, wie es ihm gefällt, was die Herren die schöne Natur zu nennen belieben, was aber mit ihrer Erlaubniß nichts als die verfehlte Natur ist. Er nimmt Standpunkt – und dann muß er so verbinden. Man könnte sein Gemählde mit der Sache verwechseln und der Schöpfer sieht auf ihn hinab, wie auf die kleinen Götter, die mit seinem Funken in der Brust auf den Thronen der Erde sitzen und seinem Beyspiel gemäß eine kleine Welt erhalten. Wollte sagen – was wollt ich doch sagen? –

Hier lassen Sie uns eine kleine Pause bis zur nächsten Stunde machen, wo ich

mit Columbus Schifferjungen auf den Mast

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Diakritische Zeichen, die der Unterscheidung dienen.
Empfohlene Zitierweise:
Jakob Michael Reinhold Lenz: Anmerkungen übers Theater. Weygandsche Buchhandlung, Leipzig 1774, Seite 16. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Anmerkungen_%C3%BCbers_Theater.pdf/16&oldid=- (Version vom 31.7.2018)