Seite:Anmerkungen übers Theater.pdf/20

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hernach die Dreistigkeit haben, unsere zu geben. Ein grosses Unternehmen, aber wer kann uns zwingen, Brillen zu brauchen, die nicht nach unserm Auge geschliffen sind.

Er sagt im sechsten Kapitel seiner poetischen Reitkunst: „Es ist also das Trauerspiel die Nachahmung einer Handlung, einer guten, vollkommenen und grossen Handlung, in einer angenehmen Unterredung, nach der besondern Beschaffenheit der handelnden Personen abgeändert, nicht aber in einer Erzehlung.“

Er breitet sich weiter über diese Definition aus. „Und weil das Trauerspiel die Nachahmung einer Handlung ist, die von bestimmten Personen geschiehet, welche nothwendig von verschiedener Beschaffenheit seyn müssen, sowohl in Ansehung ihrer Sitten, als Gesinnungen, so auch ihre Handlungen von verschiedener Beschaffenheit sind, so ist es natürlich, daß es zwey Ursachen der Handlungen gebe, die Gesinnungen und die Sitten, und nach Maßgabe dieser müssen die Personen alle entweder glücklich oder unglücklich werden.“ Er erklärt sich hernach über diese Ausdrücke, damit er allem Mißverstande vorbeuge. Sitten sind, die Art, mit der jemand handelt. Gesinnungen sind seine Gemüthsart und der Ausdruck derselben

Empfohlene Zitierweise:
Jakob Michael Reinhold Lenz: Anmerkungen übers Theater. Weygandsche Buchhandlung, Leipzig 1774, Seite 20. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Anmerkungen_%C3%BCbers_Theater.pdf/20&oldid=- (Version vom 31.7.2018)