Seite:Anmerkungen übers Theater.pdf/25

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zehn Jahre an einem Ideal der Schönheit zu zirkeln, daß endlich doch nur in dem Hirn des Künstlers, der es hervorgebracht, ein solches ist. In der Morgenzeit der Welt wars was anders, Zeuxes arbeitete, um uns Kritiker und Geschmack zu bilden, Apelles Kohle, von einem göttlichen Feuer geleitet, schuf wie Gott um ihr selbst willen. Die Idee der Schönheit muß bey unsern Dichtern ihr ganzes Wesen durchdrungen haben – denn fort mit dem rohen Nachahmer, der nie an diesem Strahl sich gewärmet hat, auf Thespis Karre – aber sie muß nie ihre Hand führen oder zurückhalten, oder der Dichter wird – was er will, Witzling, Pillenversilberer, Bettwärmer, Brustzuckerbecker, nur nicht Darsteller, Dichter, Schöpfer –

Aristoteles: „Ein Zeichen für die Wahrheit des Satzes, daß die Fabel, die Ver- und Entwickelung der Begebenheiten in der Tragödie am meisten gefalle, ist, weil die, so sich an die Poesie wagen, weit eher in Ansehung der Diktion und Charaktere fürtreflich sind, als in der Zusammensetzung der Begebenheiten, wie fast an all unsern ersten Dichtern zu sehen“ dies will nichts sagen. Dictione et moribus[WS 1] soll gar in einer Klasse

nicht stehen. Es ist hier nicht die Rede von

Anmerkungen (Wikisource)

  1. lat., (in) Diktion und Charaktere(n).
Empfohlene Zitierweise:
Jakob Michael Reinhold Lenz: Anmerkungen übers Theater. Weygandsche Buchhandlung, Leipzig 1774, Seite 25. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Anmerkungen_%C3%BCbers_Theater.pdf/25&oldid=- (Version vom 31.7.2018)