Seite:Anmerkungen übers Theater.pdf/38

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

liebes Publikum, wenn du die Dämme so hoch aufziehst, die Grenzen so weit steckst, von Dichterlingen überschwemmt zu werden. Sie lieben das freye Feld nicht, sie befinden sich besser hinter den Aussenwerken des Handwerks. Es ist keine Kleinigkeit, Schlingen für die Herzen auszuwerfen, alle die tausend Köpfe wegzuzaubern und willig zu machen uns zu folgen. Die französischen Intriguen, deren sie ganze Kramläden voll haben, die sie verändern, bereichern, zusammenflicken wie die Moden, werden sie nicht von Tage zu Tage uninteressanter, abgeschmackter? Es geht ihren Schauspieldichtern wie den lustigen Räthen in Gesellschaften, die in der ersten halben Stunde erträglich, in der zweyten sich selbst wiederholen, in der dritten von niemand mehr gehört werden als von sich selbst. Hab ich doch letzt eine lange Komödie gesehen, die nur auf einem Wortspiel drehte. Ja wenn solche trifles light as air[WS 1] von einem Shakespear behandelt werden, aber wenn die Intrigue das Wesen des Stücks ausmacht, und die Verwirrung besteht in einem Wort, so ist das

ganze Stück so viel werth – als ein Wortspiel. Woher aber diese schimmernde Armuth? Der Witz eines Shakespears erschöpft sich nie und hätt’ er noch so viel Schauspiele geschrieben. Sie kommt – erlauben

Anmerkungen (Wikisource)

  1. William Shakespeare: Othello III, 3, V. 326: „Kleinigkeiten, leicht wie Luft.“
Empfohlene Zitierweise:
Jakob Michael Reinhold Lenz: Anmerkungen übers Theater. Weygandsche Buchhandlung, Leipzig 1774, Seite 38. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Anmerkungen_%C3%BCbers_Theater.pdf/38&oldid=- (Version vom 31.7.2018)