Seite:Anmerkungen übers Theater.pdf/45

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

an den Stellen zusammenhalten, wo sie eine und dieselbe Person in einer und derselben Situation sprechen lassen, um zu zeigen, lorsque Racine et Pradon pensent de même qu’ils sont les plus differens.

Es sey der Monologe des Brutus als die grosse That noch ein Embryo in seinem Gehirn lag, durchs Schicksal gereift ward, dann durch alle Hindernisse brach und wie Minerva in völliger Rüstung geboren ward. Diesen Gang eines grossen Entschlusses in der Seele hat V. – vielleicht nicht gesehen. Erst zum Shakespear, meine Herren! Sein Brutus spaziert in einer Nacht, wo Himmel und Erde im Sturm untergehen wollen, gelassen in seinem Garten. Räth aus dem Lauf der Sterne, wie nah der Tag ist. Kann ihn nicht erwarten, befiehlt seinem Buben, ein Licht anzuzünden. „Es muß durch seinen Tod geschehen: dafür hab ich für mein Theil nicht die geringste Ursache, aber um des Ganzen willen“ – Philosophirt noch, berathschlagt noch ruhig und kalt, derweile die ganze Natur der bevorstehenden Symfonie seiner Gemüthsbewegungen präambulirt. Lucius bringt ihm Zettel, die er auf seinem Fenster gefunden. Er dechiffrirt sie beym Schein der Blitze. „Rede – schlage – verbeßre – du schläfst“ – ha er reift, er reift der fürchterliche Entschluß

Empfohlene Zitierweise:
Jakob Michael Reinhold Lenz: Anmerkungen übers Theater. Weygandsche Buchhandlung, Leipzig 1774, Seite 45. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Anmerkungen_%C3%BCbers_Theater.pdf/45&oldid=- (Version vom 31.7.2018)