Seite:Anmerkungen übers Theater.pdf/53

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in allen ihren Verhältnissen zeigen, ja Hanns Sachse findt so wenig Bedenklichkeiten drin, seine geduldige Griselda[WS 1] in einem Auftritte freyen, heyrathen, schwanger werden und gebähren zu lassen, daß er vielmehr im Prolog seine Zuschauer für der allzustarken Illusion warnet und ihnen auf sein Ehrenwort versichert, daß alle Sachen so eingericht, daß keinem Menschen ein Schaden geschieht.[WS 2] Woher das Zutrauen zu der Einbildungskraft seines Publikums? Weil er sicher war, daß sie sich aus der nehmlichen Absicht dort versammlet hatten, aus der er aufgetreten war, ihnen einen Menschen zu zeigen, nicht eine Viertelstunde.

So ists mit den historischen Stücken Shakespears: hier möchte ich Charakterstücke sagen, wenn das Wort nicht so gemisbraucht wäre. Die Mumie des alten Helden, die der Biograph einsalbt und spezereyt, in die der Poet seinen Geist haucht. Da steht er wieder auf, der edle Todte, in verklärter Schöne geht er aus den Geschichtbüchern hervor und lebt mit uns zum andernmahle. O wo finde ich

Worte, diese herzliche Empfindung für die auferstandenen Todten anzudeuten – und sollten wir ihnen nicht mit Freuden nach Alexandrien, nach Rom, in alle Vorfallenheiten ihres Lebens folgen und das: seelig sind die Augen, die dich gesehen haben, nun für uns behalten? Habt ihr nicht Lust ihnen zuzusehen,

Anmerkungen (Wikisource)

  1. siehe Hans Sachsens Komödie „Griselda“ (1546).
  2. Vorlage: geschicht
Empfohlene Zitierweise:
Jakob Michael Reinhold Lenz: Anmerkungen übers Theater. Weygandsche Buchhandlung, Leipzig 1774, Seite 53. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Anmerkungen_%C3%BCbers_Theater.pdf/53&oldid=- (Version vom 31.7.2018)