Seite:Anmerkungen übers Theater.pdf/65

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Biron. Das sind die edlen Früchte des Studirens, derweil ihr zu wissen strebet was ihr wollt, vergeßt ihr drüber was ihr sollt.

König. Hier zwingt uns die Noth, eine Ausnahme zu machen.

Biron. So wird uns die Noth alle zwingen, dreytausend Ausnahmen in drey Jahren zu machen. Jeder Mensch wird mit seinen Trieben geboren, die durch nichts anders als die Gnade bemeistert werden können. Werd ich also meineidig, so hoff ich, dies Wort Ew. Majestät wird mir zu Gut kommen, ich habs aus Noth gethan. So will ich denn auch meinen Namen unterschreiben, aber im weitläuftigern Sinn, die andern Herren thatens im engern. Doch hoff ich, ich werde der letzte seyn, der seinen Eid zu befingern anfangen wird, um ihn nach und nach gar zu brechen. Aber haben wir denn nicht die mindesten Erholungen bey unserer Kopffrohn?

König. Ihr wisset, an unserm Hofe hält sich der scharfsinnige reisende Spanier auf, ein Mann, der mit den Sitten der ganzen Welt gestempelt ist und ein ganzes Münzkabinet von neuen Worten in seinem Hirnkasten trägt. Dessen Zunge von lauter Harmonien erthönt, ein Mann von oben herab, immer entscheidend, den Recht und

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Jakob Michael Reinhold Lenz: Anmerkungen übers Theater. Weygandsche Buchhandlung, Leipzig 1774, Seite 65. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Anmerkungen_%C3%BCbers_Theater.pdf/65&oldid=- (Version vom 31.7.2018)