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an den Abhängen des Berges angebracht. Sie sind söhlig mit dem Boden der Strecken, der überall fast wagerecht ist, so daß die mit Pferden bespannten Karren mit größter Leichtigkeit in das Innere gelangen und es seiner ganzen Ausdehnung nach durchfahren können. Hiernach kann nicht die Rede davon seyn, daß kalte Luft vermöge größerer Dichte austrete, um nicht wieder einzudringen. Die Erklärung also, die der Verfasser jenes Artikels giebt, paßt nicht auf diesen Fall, und man muß eine andere suchen.

Noch jetzt bin ich der Meinung, daß die Ursache der niederen Temperatur dieser Gallerien, wenigstens zum Theil, in der fortwährenden Verdunstung des Wassers liegt, welches das ungemein poröse Gestein durchsickert, abgesehen von den Regenwässern, die bisweilen in solcher Menge in die Steinbrüche dringen, daß gewisse Strecken ganz davon überschwemmt sind[1].

Obgleich in den von den Ausgängen entfernten Strecken kein Luftzug wahrnehmbar ist, so verhält es sich

  1. Diese Gewässer dringen in den Berg durch einige Mundlöcher der Strecken, vor allem aber durch jene natürlichen Schächte oder Röhren, die der Kreideformationen eigenthümlich, und im Petersberge in sehr großer Menge befindlich sind, von allen Dimensionen, von einem Decimeter bis zu zwei Meter und darüber im Durchmesser. Diese Röhren, welche bis in unbekannte Tiefen fortsetzen, beginnen an der Oberfläche des Gesteins, und sind gefüllt mit Geröll und Erde, welche beide in einer mehre Meter mächtigen Schicht den Tuff bedecken. Diese wenig zusammenhängenden Massen rutschen[WS 1] aus den meisten der Röhren, die von den Strecken durchschnitten werden, heraus, und sammeln sich in diesen an, bis der Gipfel des kegelförmigen Haufens, den sie bilden, das Gewölbe erreicht hat, und das Herabsinken des noch in den Röhren Gebliebenen verhindert. In Folge dieses Rutschens sinkt das obere Erdreich ein, und bildet mehr oder weniger große, trichterförmige Vertiefungen, welche das Regenwasser auffangen, und es durch den Grand, der fortwährend die Röhren verstopft, in die Steinbrüche hinabführen. (Eine weitere Beschreibung dieser Röhren oder geologischen Orgeln, wie man sie genannt, findet sich in Gilbert’s Annal. Bd. XXXXVI S. 402.[WS 2] P.)

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: rutshen
  2. Mathieu / Gillet-Laumont: Entdeckung natürlicher Schächte oder Röhren, welche die Kalksteinbänke des Petersbergs bei Mastricht durchsetzen, und über den Ursprung derselben. In: Annalen der Physik. Band 46, Joh. Ambr. Barth, Leipzig 1814, S. 402–411 Quellen
Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Annalen der Physik und Chemie, Band LXIII. Johann Ambrosius Barth, Leipzig 1844, Seite 168. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Annalen_der_Physik_und_Chemie_Bd_63_1844.pdf/179&oldid=- (Version vom 31.7.2018)