Seite:Aus Liudprands Werken.pdf/100

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941 diese Kunde entfloh Berengar alsobald aus Italien, und eilte über den Jupitersberg nach Schwaben zum Herzog Hermann; seine Gemahlin Willa ber ließ er auf einem andern Wege ebenfalls dorthin kommen. Diese Frau war schwanger und ihrer Entbindung nahe, als sie über den Vogelberg[1] zog, und ich kann mich nicht genug wundern, daß sie zu Fuß über ein so rauhes und unwegsames Gebirge hat kommen können; nur das weiß ich gewiß, daß mir damals das Schicksal schwer gezürnt hat. Aber ach! Lothar, dem die Zukunft verborgen war, konnte nicht ahnen, welche Schlinge er sich selbst bereitete. Denn indem er für Berengars Leben Sorge trug, errettete er den Räuber seiner eigenen Krone und seines Lebens. Ich fluche daher nicht dem Lothar, der aus jugendlichem Leichtsinn fehlte und es nachmals bitter bereute; sondern ich fluche den grausamen Bergen, welche wider ihre sonstige Gewohnheit dem Berengar und der Willa einen leichten Weg gewährten. Diesen Bergen zur Schmach muß ich ausrufen:

11. Du abscheulicher Vogelberg!   Nicht den Namen[2] verdienst du,
Denn du rettest das Ungethüm   Das umbringen du konntest.
Unwegsam sonst immer, sogar   Wenn heiß brennend die Sonne
Sengt, wenn emsig der Aussaat Preis   Auf dem Feld erntet die Sichel,
Gluthen entsendet des Phöbus Strahl   Aus dem Sternbilde des Krebses.
Schändlicher, jetzt, unerhört! bist du   In der Zeit eisiger Kälte
Gangbar? Hätte mein Wunsch doch jetzt   Kraft, gleich stürztest zerrissen,
Von dem andren Gebirge getrennt   In den Abgrund du hinunter.
Seht, es schützet den Berengar,   Läßt ihn sicheren Fußes
Wandeln des Jupiters Berg! doch nicht   Darf dichs wundern, er pflegt ja
Umzubringen die Heiligen nur,   Und die Nichtswürdigen schützt er,
Wehe! die Mauren, die blutigen, die   Nur der Raub freut und der Mordstrahl.[3]
Wie doch verfluche ich dich? es verbrenn’   Aus der Hand Gottes ein Blitz dich
Daß zerschmettert ein wüstes Gewirr   Du jetzt werdest auf ewig!

Empfohlene Zitierweise:
Liudprand: Aus Liudprands Werken. Verlag der Dyk'schen Buchhandlung, Leipzig 1890, Seite 80. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aus_Liudprands_Werken.pdf/100&oldid=- (Version vom 10.4.2018)
  1. Jetzt Bernardin, über welchen ein schon den Römern bekannter Paß nach Chur führt.
  2. Es scheint hierin ein Anspielung auf die Aehnlichkeit des Namens Mons avium mit avius, unwegsam, zu liegen.
  3. Die Sarazenen; s. unten Kap. 17.