Seite:Aus Liudprands Werken.pdf/105

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942 behaupten, die Bösewichter, die den Tod verdienten, frei; und wollte Gott daß diese Schuldbeladenen nur ihr Leben gerettet hätten, ohne in Zukunft den Unschuldigen das ihrige zu nehmen. Ich vermuthe, oder richtiger, ich nehme mit Zuversicht an, daß du nie gelesen, ja nicht einmal gehört hast, wie den König Ahab von Israel der Zorn des Herrn traf, weil er mit Ben Hadad dem Könige zu Syrien, der des Todes schuldig war, einen Bund machte und ihn ziehen ließ. Denn einer von den Söhnen der Propheten sprach zu Ahab: „So spricht der Herr: darum daß du hast den verbannten Mann von dir gelassen, wird deine Seele für seine Seele sein, und dein Volk für sein Volk[1].“ Und das geschah auch also. Wie sehr aber du dir hierdurch selbst geschadet hast, das wird unsere Feder am gehörigen Orte berichten.

18. Bei seiner Flucht aus Italien hatte Berengar einen Ritter, Namens Amedeus, mitgenommen, einen Mann von edler Herkunft, der, wie sich nachher erwies, an Verschlagenheit und Kühnheit dem Ulisses nichts nachgab. Da nun der tapfere König Otto, durch vielerlei Geschäfte verhindert, insonderheit aber auch gewonnen durch die unermeßlichen Geschenke, welche ihm König Hugo Jahr für Jahr zusandte, dem Berengar keine Truppen geben konnte, so sprach zu diesem der eben erwähnte Amedeus wie folgt: 943 „Dir ist nicht unbekannt, mein Gebieter, wie sehr der König Hugo sich allen Italienern durch sein hartes Regiment verhaßt gemacht hat, zumal dadurch daß er die Würden des Reichs an die Söhne seiner Beischläferinnen und an Burgunder austheilt, während fast kein Italiener zu finden ist, der nicht verbannt oder aller seiner Ehren beraubt wäre. Daß sie bisher gegen ihn nichts unternommen haben, rührt nur daher, daß sie niemand haben, den sie zu ihrem Könige machen können. Wenn also Einer von uns, durch Verkleidung

Empfohlene Zitierweise:
Liudprand: Aus Liudprands Werken. Verlag der Dyk'schen Buchhandlung, Leipzig 1890, Seite 85. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aus_Liudprands_Werken.pdf/105&oldid=- (Version vom 10.4.2018)
  1. 1. Könige 20, 42.