Seite:Aus Liudprands Werken.pdf/34

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erschien einer von den Baiern und verhöhnte die Schaaren der Italiener, indem er ihnen zurief, sie seien Feiglinge und verständen nicht zu reiten[1] Zu noch größerem Spott sprengte er sogar einmal mitten unter sie hinein, riß einem von ihnen die Lanze aus der Hand, und kehrte frohlockend ins Lager zurück. Um für solche Beschimpfung seines Volkes Rache zu nehmen, ergriff Hubald, der Vater des Bonifazius, der nachmals zu unserer Zeit Markgraf von Camerino und Spoleto war, seinen Schild, und ritt jenem Baiern entgegen. Dieser aber, seines früheren Erfolges nicht vergessend, sondern dadurch nur noch viel kühner gemacht, da er sich wie nach einem Siege schon sicher dünkte, eilte freudig zum Kampfe herbei, und begann sein behendes Roß bald in gewaltigem Anlauf vorsprengen zu lassen, bald, die Zügel anziehend, umzuschwenken. Hubald aber dringt gerade auf ihn ein. Und da sie schon auf dem Punkte waren, sich gegenseitig zu durchbohren, begann wieder der Vater nach gewohnter Weise sein gewandtes Roß in mannigfaltig sich durchkreuzenden Wendungen zu tummeln, um durch solche Künste den Gegner zu überlisten. Aber während er ihm in solcher Kampfesweise den Rücken weist, um dann rasch umwendend den Feind von vorne zu treffen, gibt Hubald seinem Pferde tüchtig die Sporen, erreicht den Baier, ehe dieser umzuwenden vermag, und stößt ihm seinen Speer zwischen den Schultern hindurch ins Herz. Hieroauf ergreift er des Baiern Pferd beim Zügel, wirft den Reiter, den das Leben schon verlasssen hatte, in den Strom und kehrt als Rächer seiner Landsleute in frohem Triumphe zu den Seinen zurück. Diese That verursachte den Baiern nicht geringen Schrecken, den Italienern aber gab sie neuen Muth. Da berieht sich Centebald mit

Empfohlene Zitierweise:
Liudprand: Aus Liudprands Werken. Verlag der Dyk'schen Buchhandlung, Leipzig ohne Jahr, Seite 14. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aus_Liudprands_Werken.pdf/34&oldid=- (Version vom 9.9.2017)
  1. Die Reiterkünste waren damals in hohem Ansehen, wie die Geschichte bei dem Mönch von St. Gallen I, 24 zeigt. Auch Widukind rühmt I, 339 Heinrichs I und II. 36 Ottos I Geschicklichkeit in diesen Uebungen. Ein Reiterspiel in großem Maßstabe beschreibt Nithard III, 6.