Seite:Aus Liudprands Werken.pdf/86

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gegeben, indem der König stets die Feinde, welche sich gegen ihn erhoben, mit Vortragung dieses siegreichen Zeichens geschreckt und in die Flucht geschlagen hat[1].

Auf diese Weise also, oder vielmehr durch den Willen Gottes, gelangte König Heinrich zum Besitz der heiligen Lanze, die er sterbend seinem Sohne, von dem wir jetzt reden, nebst des Reiches Erbschaft hinterließ. Wie hoch aber auch dieser das unschätzbare Kleinod geehrt habe, das kündet uns nicht nur der eben erzählte Sieg, sondern auch die wunderbare Fülle göttlicher Segnungen, von welcher wir noch zu berichten haben.

939 Nachdem also der Feind, von Schrecken ergriffen, in die Flucht getrieben war, kehrte der König heim, nicht so sehr über den erlangten Sieg frohlockend, als die Gnade Gottes preisend.

26. Es dünkt mir aber gut hierbei etwas zu verweilen, um zu zeigen, daß sich alles dieses nicht zufällig, sondern durch Gottes Fügung so zugetragen habe. Das wird uns aufs deutlichste einleuchten, wenn wir uns daran erinnern, wie unser Herr und Erlöser, Jesus Christus, nach seiner Auferstehung den Weibern und Jüngern erschienen ist. Die Treue des Petrus, die Liebe des Johannes, der zu Tische lag an der Brust des Meisters[2], waren dem Thomas wohl bekannt; er hatte gehört, daß sie zur Grabstätte geeilt waren, und dort nichts als die Leintücher gefunden hatten. Ihm war auch bekannt, daß Engel den Weibern erschienen waren und verkündigt hatten, der Herr lebe. Doch es sei; vielleicht glaubte er den Weibern nicht, weil er der Schwäche dieses Geschlechts gedachte. Aber ich bitte dich, heiliger Thomas, wenn du den beiden nach dem Flecken

Empfohlene Zitierweise:
Liudprand: Aus Liudprands Werken. Verlag der Dyk'schen Buchhandlung, Leipzig 1890, Seite 66. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aus_Liudprands_Werken.pdf/86&oldid=- (Version vom 8.4.2018)
  1. Widukind hat von dieser ganzen Geschichte nichts; die heilige Lanze nennt er schon bei Konrads I Tod unter den königlichen Insignien, als Feldzeichen aber den Erzengel Michael. Die Begebenheit wird in das Jahr 922 gesetzt, in welchem Rudolf sich mit der Tochter des Herzogs Burchard vermählte. Waitz vermuthet, daß dafür der König seine Einwilligung zu dem Vertrage gab.
  2. Evangel. Joh. 13, 23. 25.