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Sie blieb nicht länger mehr da oben,

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Weil alles anders worden war,

Vor Schmerz ist ihr das Herz erhoben,
Da ward’s so kalt, doch himmlischklar.

Da legt sie ab die goldnen Spangen,
Den falschen Putz und Ziererei,

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Aus dem verstockten Herzen drangen

Die alten Thränen wieder frei.

Kein Stern wollt nicht die Nacht erhellen,
Da mußte die Verliebte geh’n,
Wie rauscht der Fluß! die Hunde bellen,

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Die Fenster fern erleuchtet steh’n.


Nun bist Du frei von Deinen Sünden,
Die Lieb’ zog triumphirend ein,
Du wirst noch hohe Gnade finden,
Die Seele geht im Hafen ein. –

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Der Liebste war ein Jäger worden,

Der Morgen schien so rosenroth,
Da blies er lustig auf dem Horne,
Blies immerfort in seiner Noth.


Die Hochzeitsnacht.

Nachts durch die stille Runde
Rauschte des Rheines Lauf,
Ein Schifflein zog im Grunde,
Ein Ritter stand darauf.

Empfohlene Zitierweise:
Joseph von Eichendorff: Aus dem Leben eines Taugenichts und das Marmorbild. Vereinsbuchhandlung, Berlin 1826, Seite 272. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aus_dem_Leben_eines_Taugenichts_und_das_Marmorbild.djvu/276&oldid=- (Version vom 31.7.2018)