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Seite:Ausdeved 391715186.pdf/32

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ist. Er erzählt ferner von einem Mädchen, das zum 7. Male, und von ihrem Bruder, der zum 14. Male eingeliefert wurde. Gewiß wäre es besser gewesen, wenn man bei Kindern von so offenbarer Verwahrlosung von der Detention zur Korrektion übergegangen wäre. Schon vom Jahre 1853 ab hätte Wandel geschaffen werden können; denn in der zwischen dem Königlichen Ministerium des Innern mit dem Stadtrate zu Dresden unter Zustimmung der Stadtverordneten in Folge des Rezesses wegen der Abtretung der Jurisdiktion und der Sicherheitspolizeiverwaltung an den Staat am 31. Januar 1853 abgeschlossenen Vertragsurkunde heißt es in § 11: „Ebenso sollen die bei der Königlichen Sicherheitspolizeibehörde in Untersuchung befangenen Kinder in die hiesige unter stadträtlicher Verwaltung stehende Kinderbesserungsanstalt zum Behufe der Detention, soweit es der Raum der Anstalt gestattet und es sonst thunlich erscheint, gegen vollständige Vergütung des Kostenaufwandes aufgenommen werden.“ Bei Anwendung dieses Paragraphen wäre es beispielsweise am 6. März 1854 unmöglich gewesen, daß in der Anstalt, deren Räumlichkeiten ursprünglich nur auf 30 Köpfe berechnet waren, 62 Zöglinge untergebracht waren.[1] [WS 1]

Schon 1851 hatte Dr. Siebenhaar in seinem bezirksärztlichen Berichte über den Medizinalbezirk der Residenzstadt Dresden die Einrichtungen der Anstalt in ungünstiger Weise beurteilt, und es nahm ihn nur Wunder, daß dieselbe ihren Zweck nicht durchaus verfehle. Als den größten und nachteiligsten Übelstand bezeichnet er die wegen Mangel an Raum nicht hinlängliche Trennung der Geschlechter. Die Kleinheit der Schullokale und Arbeitszimmer, in welchen die Kinder nicht leidlich sitzen, und die der Schlafsäle, welche Interimslager in anderen Lokalen nötig machen, giebt ihm ebenfalls Veranlassung zu Ausstellungen. Er tadelt, daß in das Badelokal das Wasser hinein und heraus getragen werden muß. Er vermißt ein besonderes Reinigungslokal, einen Materialraum zur Bergung der zu bearbeitenden Stoffe, einen geschützten Raum für die Holzarbeit, die damals Hauptbeschäftigung der Zöglinge war, und erwähnt endlich den Mangel von Isolierzellen und den einer eigenen Küche.

Die Finanzdeputation, welche sich damals mit der Erweiterung der Anstalt auf 100 Köpfe beschäftigte, gab die von Dr. Siebenhaar bezeichneten Übelstände nicht ganz zu, sie fand die Anstalt vielmehr in höchst nettem und sauberem Zustande, sie erkannte es aber als einen Hauptmangel, daß ein Teil der Zöglinge im Nachbarhause sich mietweise befinde, weil im Falle einer etwaigen Kündigung

die größten Verlegenheiten entstehen könnten. Trotzdem lehnte sie die zum Aufbaue


  1. Aus den bis zum Jahre 1841 reichenden Hauptbüchern sei hier eine Übersicht über die Frequenz der Anstalt gegeben:
    1841: 45. * 1842: 93. 1843: 51. 1844: 54. 1845: 42.
    1846: 78. 1847: 94. 1848: 56. 1849: 89. * 1850: 101.
    1851: 95. 1852: 155. 1853: 172. 1854: 172. 1855: 186.
    1856: 235. 1857: 122. 1858: 114. 1859: 89. 1860: 124.
    1861: 101. 1862: 94. 1863: 106. 1864: 150. 1865: 84.
    1866: 102. 1867: 104. * 1868: 146. 1869: 146. 1870: 97.
    1871: 79. 1872: 84. 1873: 84. 1874: 81. 1875: 82.
    1876: 52. * 1877: 61. 1878: 56. 1879: 53. 1880: 45.
    1881: 68. 1882: 65. 1883: 45. 1884: 65. 1885: 54.
    1886: 61. 1887: 45.

    * 1841: Schubert. 1849: Höhne. 1867: Gebauer. 1876: Stiehler.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Fehlender Referenzeintrag wurde hier von WS ergänzt