Seite:Badisches Sagenbuch 041.jpg

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

strahlenden Glantz umbgeben, in Lüfften schwebend gesehen, zumahlen von etlichen Feinden bekennet worden, daß sie inwährender Belagerung eine himmlische Gestalt einer Weibs-Persohn, so ihnen, den Feinden, gantz erschröcklich, öffters vom Rheinegger-Thurm hinauf gegen dem Creutzlinger-Thor hart an der Stadt-Mauer neben den Schuß-Löcheren vorbey-gehend gesehen haben.

(Vergl. S. 157 des 2. Theils der „Constanz. Ehrenporte.“)


Ein Wogengrab.

Nicht weit von dem altersgrauen Schlosse Gottlieben, in welchem, zur Zeit der Constanzer Kirchenversammlung Papst Johann XXIII. und der glaubensmuthige Huß gefangen saßen, lag auf einer schmalen Erdzunge, die sich in den Untersee hinausstreckte, die einsame Hütte eines Fischers, der zwar arm, aber doch im Besitz einer Perle war, um deren Schönheit ihn viele reiche Junker beneideten. Dies Kleinod war sein einziges Töchterlein Unna; die Leute in der Gegend munkelten sich aber in die Ohren, das Mädchen, welches sich durch seltenen Liebreiz und einen gewissen Adel in ihrer ganzen Erscheinung vor allen andern Jungfrauen ihres Standes auszeichnete, sey nicht seine rechte Tochter, sondern das natürliche Kind einer vornehmen Dame, die, nachdem sie es nebst einer bedeutenden Summe Geldes unter dem Siegel des tiefsten Geheimnisses dem Fischer zur Erziehung übergeben, sich als strenge Büßerin in ein Kloster zurückgezogen habe, wo sie jedoch kurze Zeit darnach gestorben.

Einer der einsamen Spaziergänge, die der jüngere, zum Kloster bestimmte Sohn des bischöflichen Vogtes, welcher das Schloß Gottlieben bewohnte, öfters am Strande des See’s unternahm, führte den, in düsterm Hinbrüten über die seiner wartende freudenlose Zukunft versunkenen Jüngling zufällig zu der Fischerhütte gerade an einem Abend, wo die holde Unna auf der Bank vor der Thüre die Netze ihres Vaters, die ein schwerer Fischzug zerrissen hatte, mit ihren feinen weißen Händchen ausbesserte.

Sie sehen und in glühender, aber reiner Liebe zu der Jungfrau entbrennen, die als Verkünderin eines ganz andern

Empfohlene Zitierweise:
August Schnezler (Hrsg.): Badisches Sagenbuch 1. Band. Kreuzbauer und Kasper, Karlsruhe 1846, Seite 41. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Badisches_Sagenbuch_041.jpg&oldid=3217529 (Version vom 31.7.2018)