Seite:Badisches Sagenbuch 218.jpg

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sanft, wie die Sprache der Liebe. – Herzinnig nun schlang ein Jüngling ein holdes Mädchen, mit dem er seit etlichen Minuten unter den Linden lustwandelte.

„Katharina,“ sagte der Jüngling, „würdest du mit Johannes, dem Wirth zum fliehenden Hirschen, glücklicher seyn, als mit Georg, dem schlichten Weber?“

„Welche Frage, Georg, nachdem ich dir schon einen Kuß gegeben! Ist er dir nicht das Zeichen meiner Liebe, Schwur und Pfand meiner Treue? Mit dem Manne bin ich glücklich, den ich liebe, mit einem andern gewiß nicht. Und weißt du schon, was mein Vater heute zu mir gesagt hat?“

Sie standen gerade neben einer Bank, die sich rings um einen dicken Lindenstamm hinzog; Georg setzte sich nieder und zog Katharina auf seinen Schoos. „Rede mein Herz, rede,“ sprach er, und legte seinen Arm über die Schulter der Geliebten.

„Nahe sind wir am Ziele, Georg, näher als du glaubst; unser Glück ist nicht mehr ferne. Heute, als der Vater zu Mittag gegessen und alleine noch am Tisch saß, rief er mich zu sich. Das Herz klopfte mir; doch nahm er freundlich meine Hand und hieß mich sitzen. Katharina, sagte er, ich weiß es, daß du den Georg liebst, den Wirth aber, den Johannes, nicht leiden magst. Du erhältst jetzt auch meine Zustimmung. Deiner Großmutter hast du es zu verdanken; sie hat den Johannes auskundschaftet; er sei im Geheimen ein nichtswürdiger Mensch und habe auch andere Mädchen schon betrogen. Sein neues Wirthshaus in der Vorstadt draußen, die immer mehr Häuser bekommt, gefällt mir zwar, aber ich will doch nicht, daß du die fliehende Hirschwirthin werdest. Wenn sich der Georg immer so gut hält, so sag ihm, daß er frei in unser Haus kommen darf, ich werde nimmer so unwirsch mit ihm reden. Ich fiel meinem Vater um den Hals und sprang hernach zur Großmutter, sie zu küssen.“

Von dem süßen Glücke naher Zukunft übermannt und von der Freude unerwarteter Wendung berauscht, preßte Georg die Geliebte an seine Brust und bedeckte ihr Gesicht mit heißen Küssen. „Kein Mensch ist reicher, keiner glücklicher, als ich; Katharina, durch dich bin ich es!“ rief er jubelnd. „Aber auch deine Tage will ich verschönen, dein Leben versüßen, mein theures

Empfohlene Zitierweise:
August Schnezler (Hrsg.): Badisches Sagen-Buch 1. Band. Kreuzbauer und Kasper, Karlsruhe 1846, Seite 218. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Badisches_Sagenbuch_218.jpg&oldid=3217707 (Version vom 31.7.2018)