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„Der Schmach gedenk’ ich fürder nicht,
Damit die Welt es sehe frei:
Der Eckart ward dir stets getreu.“


5.
185
Kommt es nicht wie Träumen

Aus den grünen Räumen
Zu uns wallend nieder,
Wie Verstorbner Lieder?

Spricht Eckart zu den jungen Herrn:

190
„Vernehmt den Zauberklang von fern.“

Wie sich die Tön’ herüberschwungen,
Erwachet in den frommen Jungen
Ein seltsam böser Geist,
Der sie nach unbekannter Ferne reißt.

195
„Wir wollen in die Berge, in die Felder,

Uns rufen die Quellen, uns locken die Wälder,
Gar heimliche Stimmen entgegen singen,
In’s irdische Paradies uns zu bringen!“

Der Spielmann kommt in fremder Tracht

200
Den Söhnen Burgunds in’s Gesicht,

Und höher schwillt der Töne Macht,
Und heller glänzt der Sonne Licht;
Die Blumen scheinen trunken,
Im Abendroth nieder gesunken,

205
Und zwischen Korn und Gräsern schweifen

Sanft irrend blau und goldne Streifen.

Wie ein Schatten ist hinweggehoben,
Was sonst den Sinn zur Erden zieht,
Gestillt ist alles irdische Toben,

210
Die Welt zu einer Blum’ erblüht;

Die Felsen schwanken lichterloh,
Die Triften jauchzen seligfroh,
Es wirrt und irrt Alles in die Klänge hinein,

Empfohlene Zitierweise:
August Schnezler (Hrsg.): Badisches Sagenbuch 1. Band. Kreuzbauer und Kasper, Karlsruhe 1846, Seite 298. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Badisches_Sagenbuch_298.jpg&oldid=3217785 (Version vom 31.7.2018)