Seite:Badisches Sagenbuch 379.jpg

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verflochten gewesen, indem er den Auftrag gehabt habe, durch eine Fackel den verschiedenen Abtheilungen ein gleichzeitiges Angriffszeichen zu geben. Deßwegen dürfe seither weder Feuer noch Licht auf dem Thurme mehr unterhalten werden. Ohne in diese gerade nicht wesentlichen Zusätze weiter eingehen zu wollen, genügt es wohl, noch nachträglich zu bemerken, daß seit dieser Zeit lange Jahre hindurch, immer aus dem Münsterthurme zur Mitternachtzeit das sogenannte Gräuselhorn geblasen wurde. Von diesem Augenblicke an wurde auch die Erbitterung immer heftiger, die Burger fingen an, dem Grafen die Burg aus drei Lagern zu beschießen; vom Graben bei Allerheiligen[1] vor dem Diebsthore, von dem Münsterplatze bei dem Ritter und von der Oberlinde bei den Augustinern. Schon Mitte Mai’s war das Schloß in Schutt verwandelt, „die schönste Veste,“ fügt Tschudi (I. Thl. S. 464) bei, die im teutschen Lande war. Siegestrunken zogen nun die Bürger hinaus vor das Schloß zum Wiger oder Weiher,[2] und gewannen auch dieses.

Dr. Heinrich Schreiber.


Der böse Pfenning.

Als die Landstände des Breisgau’s zur Tilgung der Landesschulden ein neues Umgeld vom Weine (nämlich einen Pfenning von der Maas) zu erheben beschlossen hatten, fand die Einführung dieser Abgabe, an vielen Orten, namentlich auch in Freiburg, nicht wenig Widerstand von Seiten der Wirthe, die von dem „bösen Pfenning“ (so nannten sie die neue Auflage) nichts wissen wollten. Endlich, als kein Weigern half und der erste Verfalltag erschien, fanden sich die Wirthe mit ihrem Betreffniß und dem Vermelden ein: „da sey der böse Pfenning!“ Man zählte nach: an der Summe fehlte zwar nichts, allein – sie bestand aus lauter abgewürdigter Münze.

Julius Leichtlin.

  1. Hier ist das alte Kloster dieses Namens gemeint, das in der Neuenburg oder Johannitter-Vorstadt in der Nähe des heutigen Christophs-Thores stand, und zugleich mit dieser Vorstadt zerstört wurde; das spätere Kloster Allerheiligen wurde bekanntlich in die sogenannte Pfaffengasse verlegt, und ist nun zur evangelischen Stadtpfarrkirche umgewandelt.
  2. Bei Emmendingen; es gehörte einem Zweige der Familie Schnewlin, der von ihm seinen Namen führte, Schnewlin zu Wiger.
Empfohlene Zitierweise:
August Schnezler (Hrsg.): Badisches Sagen-Buch 1. Band. Karlsruhe: Kreuzbauer und Kasper, 1846, Seite 379. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Badisches_Sagenbuch_379.jpg&oldid=3217865 (Version vom 31.7.2018)