Seite:Badisches Sagenbuch 404.jpg

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

wurde das alte Gemäuer untersucht und es ergab sich aus den Bewegungen der Wünschelruthe, daß an dem Orte, welchen der Knabe zufällig bezeichnet hatte, ganz gewiß ein großer Schatz liegen müsse. Die nöthigen Vorkehrungen wurden schleunig gemacht. Das Gefäß mit Weihwasser und das Büchlein mit den Zauberformeln wurde in eine abgelegene Nische niedergelegt, wo es nach Jahren der Erzähler dieses Mährchens bei einem Besuche der Burg zufällig und mit traurigen Gefühlen wieder fand. Der Ort zu den verhängnißvollen drei Kreisen wurde abgesteckt, vierzehn Tage streng gefastet und endlich in einer dunkeln und schaurigen Herbstnacht der bedauernswürdige Versuch vorgenommen. Es war den ganzen Tag über umwölkt und stürmisch gewesen, das Unwetter mehrte sich auf die Nacht und steigerte sich von Stunde zu Stunde. Schneidend strich der Wind durch das Gebüsch und trieb ganze Haufen abgestreiften Laubes vor sich her. Die wilde Dreisam rauschte stärker und unheimlicher erscholl die Stimme des einsamen Uhu’s in dem Walde. Jedermann verschloß sich in sein Häuschen und seine Hütte und beschwerte sich über den schaurigen Abend; nur den drei Schatzgräbern war er ganz willkommen und je menschenleerer die Gegend wurde, desto mehr freuten sie sich. Endlich, als sie sich völlig sicher wußten, machten sie sich mit den Werkzeugen zum Graben auf den Weg und eilten dem alten Gemäuer zu. Die Wünschelruthe schlug neuerdings an, die Kreise wurden nach Vorschriften gezogen und die furchtbaren Beschwörungsformeln begannen. Der Mittelpunkt der Kreise befand sich an dem, durch Brand und Zeit gespaltenen Gemäuer, welches weit über ihre Köpfe herausragte. Dreimal wurde das sogenannte Christophelsgebet oder der Höllenzwang vorgelesen; die Erwartung der unglücklichen war auf das Höchste gespannt – da kam plötzlich ein weit stärkerer Windstoß als alle bisherigen, das ganze Gebüsch schien lebendig zu werden und die Schatzgräber drehten voll Gierigkeit und Angst ihre Köpfe dahin, weil sie von daher das Geisterfräulein und die abzuliefernde Geldkiste erwarteten. Aber umgekehrt, die Laterne hinter ihrem Rücken wurde umgeworfen und ausgelöscht, ein furchtbares Brüllen donnerte in ihre Ohren hinein und als sie sich entsetzt umkehrten, fühlten sie über ihrem Nacken die zottigen Tatzen des Höllenhundes und

Empfohlene Zitierweise:
August Schnezler (Hrsg.): Badisches Sagenbuch 1. Band. Kreuzbauer und Kasper, Karlsruhe 1846, Seite 404. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Badisches_Sagenbuch_404.jpg&oldid=3217888 (Version vom 31.7.2018)